Ja, lieblich ist des Berges Maid In ihrer festen Glieder Pracht, In ihrer blanken Fröhlichkeit Und ihrer Zöpfe Rabennacht;
Siehst du sie brechen durch's Genist Der Brombeerranken, frisch, gedrungen, Du denkst, die Centifolie ist Vor Uebermuth vom Stiel gesprungen.
Nun steht sie still und schaut sich um — All überall nur Baum an Baum; Ja, irre zieht im Walde um Des Berges Maid und glaubt es kaum;
Noch zwei Minuten, wo sie sann, Pulsiren ließ die heißen Glieder, — Behende wie ein Marder dann Schlüpft keck sie in den Steinbruch nieder.
Am Eingang steht ein Felsenblock, Wo das Geschiebe überhängt; Der Epheu schüttelt sein Gelock, Zur grünen Laube vorgedrängt:
Da unter'm Dache lagert sie, Behaglich lehnend an dem Steine, Und denkt: ich sitze wahrlich wie Ein Heil'genbildchen in dem Schreine!
Ihr ist so warm, der Zöpfe Paar Sie löset mit der runden Hand, Und nieder rauscht ihr schwarzes Haar Wie Rabensittiges Gewand.
Ei! denkt sie, bin ich doch allein! Auf springt das Spangenpaar am Mieder; Doch unbeweglich gleich dem Stein Steht hinter'm Block der wilde Rieder:
Er sieht sie nicht, nur ihren Fuß, Der tändelnd schaukelt wie ein Schiff, Zuweilen treibt des Windes Gruß Auch eine Locke um das Riff,
Doch ihres heißen Odems Zug, Samumes Hauch, glaubt er zu fühlen, Verlorne Laute, wie im Flug Lockvögel, um das Ohr ihm spielen.
So weich die Luft und badewarm, Berauschend Thimianes Duft, Sie lehnt sich, dehnt sich, ihren Arm, Den vollen, streckt sie aus der Kluft,
Schließt dann ihr glänzend Augenpaar — Nicht schlafen, ruhn nur eine Stunde — So dämmert sie und die Gefahr Wächst von Sekunde zu Sekunde.
Nun Alles still — sie Doch hinter'm Steine wird's belebt Und seine Büchse sachte, sacht, Der Rieder von der Schulter hebt,
Lehnt an die Klippe ihren Lauf, Dann lockert er der Messer Klingen, Hebt nun den Fuß — was hält ihn auf? Ein Schrei scheint aus der Luft zu dringen!
Ha, das Signal! — er ballt die Faust — Und wiederum des Geyers Pfiff Ihm schrillend in die Ohren saust — Noch zögert knirschend er am Riff —
Zum dritten Mal — und sein Gewehr Hat er gefaßt — hinan die Klippe! Daß bröckelnd Kies und Sand umher Nachkollern von dem Steingerippe.
Und auch das Mädchen fährt empor: „ei, ist so locker das Gestein?“ Und langsam, gähnend tritt hervor Sie aus dem falschen Heil'genschrein,
Hebt ihrer Augen feuchtes Glühn, Will nach dem Sonnenstande schauen, Da sieht sie einen Mit einem Lamm in seinen Klauen.
Und schnell gefaßt, der Wildniß Kind, Tritt sie entgegen seinem Flug: Der kam daher, wo Menschen sind, Das ist der Bergesmaid genug.
Doch still! war das nicht Stimmenton Und Räderknarren? still! sie lauscht — Und wirklich, durch die Nadeln schon Die schwere Kutsche ächzt und rauscht.
„he, Mädchen!“ ruft es aus dem Schlag, Mit feinem Knix tritt sie heran: „zeig uns zum Dorf die Wege nach, Wir fuhren irre in dem Tann!“ —
„herr,“ spricht sie lachend, „nehmt mich auf, Auch ich bin irr' und führ' Euch doch.“ „nun wohl, du schmuckes Kind, steig auf, Nur frisch hinauf, du zögerst noch?“
„herr, was ich weiß, ist nur gering, Doch führt es Euch zu Menschen hin, Und das ist schon ein köstlich Ding Im Wald, mit Räuberhorden drin:
Seht, einen Weih am Bergeskamm Sah steigen ich aus jenen Gründen, Der in den Fängen trug ein Lamm; Dort muß sich eine Heerde finden.“ —
Am Abend steht des Forstes Held Und flucht die Steine warm und kalt: Der Wechsler freut sich, daß sein Geld Er klug gesteuert durch den Wald:
Und nur die gute, franke Maid Nicht ahnet in der Träume Walten, Daß über sie so gnädig heut Der Himmel seinen Schild gehalten. —
Cookies on Poetry Cove