Die Ros’ auch lächelt selig, doch wie lange?
Hüte dich vor der Schlange! —
Am grauen Horizonte murrend stand
Der ersten Donnerwolke düstrer Rand,
Am Rosenstrauche fiel die erste Thräne,
Und drüben weint der Nachtigall Gestöhne.
Wär’ dies das Bild von gestern, dieser Leib
Verhüllt in Blätterschutz? ein arges Weib!
Das Auge, kündend ein verbotnes Wissen,
Wie scheint so heiß und hart des Mooses Kissen,
Wie dunsterfüllt des Paradieses Prangen,
Und wie so seltsam brennen ihre Wangen.
Fest hielt den vollen Rosenzweig sie, fest
Wie der Versinkende die Binse preßt,
Oder sein Lieb ein glüh Verlangen.
Ob sie entschlief? — Wohl endlich hat die Nacht
Ihr Ruhe, bleiernschweren Schlaf gebracht;
Der Regenguß, er hat sie nicht erweckt,
Des Donners Rollen sie nicht aufgeschreckt,
Ihr Haar nur flatterte im Windestosen,
Und ihr am Busen zitterten die Rosen;
Wie eine Leiche lag sie schmerzlich mild,
Zum erstenmal im Schlaf des Todes Bild;
Und als am Morgen sie die Wimper hob,
Und zuckend von der Brust die Zweige schob,
Da war all ihrer Wangen lichter Schein
Gezogen in der Blumen Rund hinein,
In glüher Sehnsucht alle aufgegangen,
Zum Kusse öffnend all’ den üpp’gen Mund;
Und Heva kniete weinend, ihre Wangen
Entfärbt, und ihre Brust von Dornen wund.