Auf meiner Heimath Grunde Da steht ein Zinnenbau, Schaut finster in die Runde Aus Wimpern schwer und grau.
An seines Fensters Gittern Wimmert des Kauzes Schrei, Und drüber siehst du wittern Den sonnentrunknen Weih.
Ein Wächter fest wie Klippen, Von keinem Sturm bewegt, Der in den harten Rippen Gar manche Kugel trägt;
Ein Mahner auch, ein strenger, Deß Giebel, grün und feucht, Mit spitzem Hut und Fänger Des Hauses Geist besteigt.
Und sieht ihn das Gesinde Am Fahnenschafte steh’n, Sich wirbelnd vor dem Winde Mit leisem Schreie dreh’n,
Dann pocht im Schloßgemäuer Gewiß die Todtenuhr, Oder ein tückisch Feuer Frißt glimmend unter’m Flur.
Wie hab’ ich ihn umstrichen Als Kind oft stundenlang, Bin heimlich dann geschlichen Den schwer verpönten Gang
Hinauf die Wendelstiege, Die unter’m Tritte bog, Bis zu des Sturmes Wiege, Zum Hahnenbalken hoch.
Und saß ich auf dem Balken Im Dämmerstrahle falb, Mich fühlend halb als Falken, Als Mauereule halb,
Dann hab’ ich aus dem Brodem Den Geist citirt mit Muth, Ich, Hauch von seinem Odem, Und Blut von seinem Blut.
Doch als nun immer tiefer Die Schlangenstiege sank, Als schiefer stets und schiefer Dräute die Stufenbank:
Da klomm’ ich sonder Harren Hinan den Zinnenring, Und in des Daches Sparren Barg ich ein heimlich Ding.
Das sollten Enkel finden, Wenn einst der Thurm zerbrach, Es sollte Etwas künden, Das mir am Herzen lag;
Nun sinn’ ich oft vergebens, Was mich so aufgeregt, Was mit Gefahr des Lebens Ich in den Spalt gelegt.
Vielleicht mit Glasopalen Ein Ring — ein Dockenkleid — Das herrlich sollte strahlen In die zukünft’ge Zeit;
Denn daß es hell geflittert, Mir wie im Traume scheint, Und daß ich sehr gezittert Und bitterlich geweint.
Mit einmal will mir’s tagen! Es war — ich irre nicht — In Goldpapier geschlagen Mein allererst Gedicht.
Mein Lied vom Hähnchen, was ich So still gemacht, bei Seit’, Mich so geschämt und das ich Der Ewigkeit geweiht.
Wolltest so hoch du fahren, Du thöricht Kind? Wer weiß? Vielleicht nach dreißig Jahren Treibt schwach dein Lorbeerreis.
Du wirst noch schwer und blutig Durch manche Schule geh’n; Und dann nicht halb so muthig Vor deiner Nachwelt steh’n.
Zerfallen am Gewände Ist längst der Stiege Rund, Kaum liegt noch vom Gelände Ein morsches Brett am Grund;
Und wenn die Balken knarren, Im Sturm die Fahne kreis’t, Dann gleitet an den Sparren Nicht mehr des Ahnen Geist.
Es schien ihm übel hausen In dieser Zeiten Lauf; Ich aber stehe draußen Und schau’ die Wand hinauf;
Späh’ durch der Sonne Lodern, In welcher Ritze wohl Es einsam mag vermodern, Mein arm entthront Idol.
Nie sorgt’ ein Falke schlechter Für seine erste Brut! Doch du, mein grauer Wächter, Nimm es in deine Hut;
Und ist des Daches Schiene Hinfürder nicht zu trau’n, So laß die fromme Biene Dran ihre Zelle bau’n!
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