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1797–1848

An Elise.

Annette von Droste-Hülshoff

Du weißt es lange wohl wie werth du mir, Was sollt' ich es nicht froh und offen tragen Ein Lieben, das so frischer Ranken Zier Um meinen kranken Lebensbaum geschlagen?

Und manchen Abend hab' ich nachgedacht, In leiser Stunde träumerischem Sinnen, Wie deinen Morgen, meine nahnde Nacht Das Schicksal ließ aus Einer Urne rinnen.

Zu alt zur Zwillingsschwester, möchte ich Mein Töchterchen dich nennen, meinen Sprossen, Mir ist, als ob mein fliehend Leben sich, Mein rinnend Blut in deine Brust ergossen.

Wo stammt im Herzen mir ein Opferheerd, Daß nicht der deine loderte daneben, Von gleichen Landes lieber Luft genährt, Von gleicher Freunde frommem Kreis umgeben?

Und heut', am Sankt Elisabethentag, Vereinend uns mit gleichen Namens Banden, Schlug ich bedächtig im Kalender nach, Welch' Heilige am Taufborn uns gestanden;

Da fand ich eine königliche Frau, Die ihre milde Segenshand gebreitet, Und eine Patriarchin, ernst und grau, Nur werth um Den, deß Wege sie bereitet.

Fast war es mir, als ob dies Doppelbild Mit strengem Mahnen strebe uns zu trennen, Als woll' es dir die Fürstin zart und mild, Mir nur die ernste Hüterin vergönnen;

Doch — lächle nicht — ich hab' mich abgekehrt, Bin fast verschämt zur Seite dir getreten; Nun wähle, Lieb, und die du dir bescheert, Zu der will ich als meiner Heilgen beten.

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