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1797–1848

An ***

Annette von Droste-Hülshoff

Auf hohem Felsen lieg' ich hier, Der Krankheit Nebel über mir, Und unter mir der tiefe See Mit seiner nächt’gen Klage Weh,

Mit seinem Jubel, seiner Lust, Wenn buntgeschmückte Wimpel fliegen, Mit seinem Dräu’n aus hohler Brust, Wenn Sturm und Welle sich bekriegen.

Mir ist er gar ein trauter Freund, Der mit mir lächelt, mit mir weint, Ist, wenn er grünlich golden ruht, Mir eine sanfte Zauberfluth,

Aus deren tiefem, klaren Grund Gestalten meines Lebens steigen, Geliebte Augen, süßer Mund Sich lächelnd tröstend zu mir neigen.

Wie hab’ ich schon so manche Nacht Des Mondes Wiederschein bewacht! Die klare Bahn auf dunklem Grün, Wo meiner Todten Schatten zieh’n;

Wie manchen Tag den lichten Hang, Bewegt von hüpfend leichten Schritten, Auf dem mit leisem Geistergang Meiner Lebend’gen Bilder glitten.

Und als dein Bild vorüberschwand, Da streckte ich nach dir die Hand, Und meiner Seele ward es weh, Daß dir verborgen ihre Näh’;

So nimm denn meine Lieder nun Als liebesrothe Flammenzungen, Laß sie in deinem Busen ruh’n Und denk’ ich hab’ sie dir gesungen.

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