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1797–1848

5. Höhlenfey .

Annette von Droste-Hülshoff

Siehst du drüben, am hohlen Baum, In’s Geklüfte die Schatten steigen, Ueber’m Bord, ein blanker Saum, Leises Quellengeriesel neigen?

Das ist die Eiche von Bagneres, Das ist die Höhle Trou de fer, Wo sie tags in der Spalten Raum, Nächtlich wohnt in den surrenden Zweigen?

O sie ist überalt die Fey, Laut Annalen, vor grauen Jahren, Zwei Jahrhunderten oder drei Mußte sie seltsam sich gebahren:

Bald als Eule mit Uhu, Bald als Katze und schwarze Kuh; Auch als Wiesel mit seinem Schrei Ist sie über die Kluft gefahren.

Aber, wenn jetzt im Mondenschein Zarte Lichter den Grund betüpfen, Sieht mitunter man am Gestein Sie im schillernden Mantel hüpfen,

Hört ihr Stimmchen, Gesäusel gleich; Aber nahst du, dann nickt der Zweig Und das Wasser wispert darein, Und du siehst nur die Quelle schlüpfen.

Reich an Gold ist der Höhle Grund, O wie Guinea und wie Bengalen! Und man spricht vom bewachenden Hund, Doch deß melden nichts die Annalen.

Aber Mancher, der wundersam, Unbegreiflich zu Gelde kam, Ließ, so kündet der Sage Mund, Es am Baum von Bagneres sich zahlen.

Barg einen Beutel im Hohle breit, Drin den neuen Liard, bedächtig, Recht in der sengenden Mittagszeit, Die den Geistern wie mitternächtig,

Fand ihn abends mit Gold geschwellt, — O kein Christ komme so zu Geld! Falsch war Feyengold jederzeit, Kurz das Leben, und Gott ist mächtig.

Einmal nur, daß mich deß gedenkt, Ist ein Mann an den Baum gegangen, Hat seinen Sack hineingesenkt, Groß eines Königs Schatz zu fangen;

’s war ein Wucherer, war ein Filz, Ein von Thränen geschwellter Pilz, Nun, er hat sich zuletzt gehenkt, — Besser hätt’ er schon da gehangen.

Hielt die Lippen so fest geklemmt, — Denn Geflüster nur, mußt du wissen, — Das ist eben, was Alles hemmt, Lieber hätt’ er die Zunge zerbissen; —

Barfuß kam er, auf schlechten Rath, Und als da in die Scherb’ er trat, Hat er sich nur an den Baum gestemmt Und den Schart aus der Wunde gerissen.

Doch als aus dem Gemoder scheu Schlüpft ’ne Schlange ihm längs den Haaren, Da ist endlich ein kleiner Schrei, Nur ein winziger, ihm entfahren;

Und am Abend verschwunden war Großer Sack und neuer Liard. O verrätherisch ist die Fey! Und es wachen der Hölle Schaaren.

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