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1797–1848

3.

Annette von Droste-Hülshoff

Ich weiß ein bessres Bild zu finden, Als jenes, dem du ferner geh’st, Wie tiefer deine Wurzeln gründen Und reifer du die Ernte mäh’st;

Ein bessres, als zu dessen Rahmen, Wenn Jahre flohen, Jahre kamen, Du wie dein eigner Schatten steh’st. Weil’ ich am Strande ob der lauen

Entschlafnen Flut mit scheuer Lust: Wird unter’m Stahl, dem silbern blauen, Lebendig mir die tiefe Rust; Am Grunde glühende Korallen

Der Fischlein goldig schimmernd Wallen; Dann schau ich tief in deine Brust. Und schwebend an der Grüfte Bogen Seh’ ich der Mauerflechte Stab,

Mit allen Fasern eingesogen Tief in das Felsenherz hinab; Von Thränen schwer die grauen Locken, Die dunkeln Wimper, zarten Flocken;

Das ist die Liebe über’s Grab! Und dann an der Genesung Bronnen — Im Saale tafeln Stern und Band, — Sich arme dürft’ge Kranke sonnen

Und gierig schlürfen über’m Rand; Mitleidig tränkt der Quell die Armen, Dann denk’ ich still an dein Erbarmen, An deine warme, offne Hand.

O jener Quell, der heiß und springend, Ein Geiser, deiner Brust entquillt, Durch Schnee und Eisesscholle dringend Mit Blumen seinen Gletscher füllt. —

Ihm sieht nur gleich, was nie verloren, Was ewig frisch und neugeboren, Und die Natur nur ist dein Bild!

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