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1797–1848

2.

Annette von Droste-Hülshoff

An blühender Akazie lehnt ein blonder bleicher Mann, Sehr mangelt ihm der Sitz, allein die Kinder spielen dran, So schreibt er stehend, immer Ball und Peitschenhieb ge- wärt'gend,

Schnellfingrig für die Druckerei den Lückenbüßer fert'gend. „in Osten steigt das junge Licht, es rauscht im Eichenhain, Schon schlang der alte Erebus die alten Schatten ein, Des Geistes Siegel sind gelöst, der Aether aufgeschlossen,

Und aus vermorschter Dogmen Staub lebend'ge Cedern sprossen. O Geistesfessel, härter du als jemals ein Tyrann, Geschlagen um des Sclaven Leib, du tausendjähr'ger Bann! Geheim doch sicher hat der Rost genagt an deinem Ringe,

Nun wackelt er und fürchtet sich vor jedes Knaben Klinge! Hin ist die Zeit wo ein Gespenst im Büßermantel schlich, In seinen Bettelsack des Deutschen Gold und Ehre strich, Wo Greise, Schulmonarchen gleich, die stumpfe Geißel

schwenkten, Des Sonnenrosses Zaum dem Grab verfallne Hände lenkten. Nicht wird im zarten Kinde mehr des Mannes Keim erstickt, Frei schießt die Eichenlode, unbeengt und ungeknickt;

Was mehr als Wissen, wirkender als Gaben, die zerstückelt — Des kräftgen Wollens Einheit wird im jungen Mark ent- wickelt. Und dennoch riß das Document vom schnöden Seelenkauf

Durch deutsche Hand, durch unsre Hand, die, nach Egyptens Noch immer stark genug den Brand an's Bagnothor zu Doch ihr, die ihr den ganzen Saft der Muttererde trinkt, An deren Zweig das erste Blatt schon wie Smaragde blinkt,

Ihr!“ — unser Dichter stutzt — er hört an den Hollunder- Sein Erstlingsreis, den Göttinger, wie eine Walze keuchen. Und auf der Bank — sein Manuscript — o Pest! sein Dichter- Dort fliegt er, droben in der Luft, als langer Drachen-

Und — was? ein Guß? — bei Gott, da hängt der Bub', Am Ast, und leert den Wasserkrug auf seines Vaters Glatze!

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