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1797–1848

1.

Annette von Droste-Hülshoff

Sie steh'n vor deinem Bild und schauen In dein verschleiert Augenlicht, Sie prüfen Lippe, Kinn und Brauen Und sagen dann: du sei’st es nicht;

Zu klar die Stirn, zu voll die Wange, Zu üppig in der Locken Hange, Ein lieblich, fremdes Angesicht. O wüßten sie es, wie ein treues

Gemüth die kleinsten Züge hegt! Ein Zucken schon ein flücht’ges, scheues, Als Kleinod in die Seele legt. Wie schon ein Wort von gleichem Klange

Gehaucht, dem Feinde selbst, das bange, Bewegte Herz entgegen trägt. Sie würden besser mich begreifen, Seh’n deiner Locken dunkeln Haag

Sie mich mit leisem Finger streifen, Als lüft’ ich sie dem jungen Tag; Den Flor mich breiten dicht und dichter, Daß deiner Augen zarte Lichter

Kein Sonnenstrahl verletzen mag. Was fremd, dahin will ich nicht schauen Und will nicht wissen, wo sie brennt, Ob an der Lipp’, der Wang’, den Brauen,

Die Flamme, die dein Herz nicht kennt. Ich will nur seh’n in deine Augen, Den einen frommen Blick nur saugen, Der leise meinen Namen nennt.

Ihn, der wie Mondlicht mich umflossen, Als in der ernsten Abendzeit Wir saßen, Hand in Hand geschlossen, Und dachten Tod und Ewigkeit.

Ihn, der sich von der Sonne Schwinden Heilig gewendet, mich zu finden, Und lächelnd sprach: ich bin bereit!

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