In seiner Buchenhalle saß ein Greis auf grüner Bank, Vor ihm, in grünlichem Pokal, der Rebe Feuertrank; Zur Seite seiner Jugend Sproß, sich lehnend an den Zweigen, Ein ernster Vierziger, vernahm des Alten Wort in Schweigen.
„sohn“, sprach der Patriarch, es klang die Stimme schier bewegt: „das Kissen für mein Sterbebett du hast es weich gelegt; Ich weiß es, eine Thräne wird das Leichentuch mir netzen,
In meinen Sessel wird dereinst ein Ehrenmann sich setzen. Zu Gottes Ehr' und deiner Pflicht, und nach der Vordern Art, Zog ich in aller Treue dich, als schon dein Kinn behaart.
Nicht will die neue Weise mir zum alten Haupte gehen, Ein Sohn hat seinen Herrn, so lang zwei Augen offen stehen. Mein Vater, — tröst ihn Gott, er fiel in einem guten Straus! —
War Diener seinem Fürsten und ein König seinem Haus, Sein treues Auge wußte wohl der Kinder Heil zu wahren‚ Den letzten Schlag von seiner Hand fühlt ich mit zwanzig Jahren.
So macht' er mich zum Mann, wie du, mein Sohn, zum frohen Greis, Zum Mann der tragen kann und sich im Glück zu fassen weiß, Wie mag, wer seiner Launen Knecht, ein Herrenamt be-
zwingen? Wer seiner Knospe Kraft verpraßt, wie möcht er Früchte bringen? Nur von der Pike dient sich's recht zum braven General.
Gesegnet sey die Hand die mir erspart der Thorheit Wahl! Mit tausend Thränen hab' ich sie in unsre Gruft getragen, Denn eines Vaters heilge Hand hat nie zu hart geschlagen. Mein Haar ist grau, mein blödes Aug' hat deinen Sproß
gesehn, Bald füllst du meinen Sitz, und er wird horchend vor dir stehn. Gedenk der Rechenschaft, mein Sohn, lehr deinen Blick ihn
lesen, Gehorsam sey er dir, wie du gehorsam mir gewesen!“ So sprach der Patriarch, und schritt entlang die Buchenhall', Ehrfürchtig folgte ihm der Sohn, wie Fürsten der Vasall,
Und seinen Knaben winkt er sacht herbei vom Blüthenhagen, Ließ küssen ihn des Alten Hand, und seinen Stab ihn tragen.
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