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1857

Was ich liebe

Felix Dörmann

Ich liebe die hektischen, schlanken Narzissen mit blutrothem Mund; Ich liebe die Qualengedanken, Die Herzen zerstochen und wund;

Ich liebe die Fahlen und Bleichen, Die Frauen mit müdem Gesicht, Aus welchen in flammenden Zeichen, Verzehrende Sinnenglut spricht;

Ich liebe die schillernden Schlangen, So schmiegsam und biegsam und kühl: Ich liebe die klagenden, bangen, Die Lieder von Todesgefühl;

Ich liebe die herzlosen, grünen Smaragde vor jedem Gestein; Ich liebe die gelblichen Dünen Im bläulichen Mondenschein;

Ich liebe die glutendurchtränkten, Die Düfte, berauschend und schwer; Die Wolken, die blitzedurchsengten, Das graue wuthschäumende Meer;

Ich liebe, was niemand erlesen, Was keinem zu lieben gelang: Mein eigenes, urinnerstes Wesen Und alles, was seltsam und krank.

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