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1857

Satanella1.2.3.4.5.

Felix Dörmann

Wenn die Gluten des Weines Dein Antlitz röten, Bleiche Madonna, Dann flieh' meinen Augen.

Ich bete Dich an Und liebe Dich grenzenlos, – Aber nur mit todesblassen Wangen; Doch zeigst Du Dich mir

Durchflutet vom Feuer Des spanischen Weines, Sanft erglühend, So faßt mich die Lust,

Die schreiende Lust, Dich zu küssen, zu küssen, zu küssen, Und im Kuß zu erdrosseln; – Denn Du mußt bleich sein,

Totenbleich. Ruhbedürftig, liebesübersättigt, Sinkt nach tobenden Genüssen Dein gespensterblasser,

Herrlicher Leib Keuchend zurück. Weit geöffnet, in schweren Atemzügen Zittern die Nüstern,

Und im leisen Nachkrampf Zerren sich die hochgeschürzten Lippen ... Langsam steigt von Deinem tiefgelegnen Onyxdunklen Auge

Deines Lides leichtumblauter, Schwerer Schleier. Liebesicher und hochmut-funkelnd Glutet Dein Blick in meinem ...

Plötzlich, den hilflos-zornigen, Liebezermarterten Leib Machtvoll niederzwingend, Wühlt sich der Wille zur Wollust

Nochmals stürmisch auf aus Deiner Seele, Und herüber zu mir Zischt Dein gewaltiges Grauenhaft süßes:

„Her zu mir!“ Blaugrünes Ampellicht Flutet in vollen Strömen, Wie zitternder Weihrauchdampf,

Wie phosphorschimmernde Mondesgloriole Um Dein weit zurückgebogenes, Geisterhaft herrliches Haupt; Schreckhaft leuchten

Aus dem mattgetönten Antlitz Deiner Augen Bräunlich violette Ringe. Düster glosend wie Granaten

Wühlen und drängen und bohren sich Deine gewaltigen, bannenden Flammensterne Tief hinein ins Herz meines Herzens ...

Nein, ich kann nicht, Kann nicht widerstehen Diesem wortlos-heißen Wollen, Dieser liebesirren Bitte –

Nimm mich hin! Ineinander schlingen sich die Glieder ... Aus Deinem hoch aufwogenden, Wonnegepreßten Busen quillt

Ein seliges Seufzen und Stöhnen ... Wieder wirft und biegt sich mein Leib In markaussaugenden Krämpfen der Lust ... Durch jede Nervenfaser bebt ein Sturm ...

Von Deinen blutig gebissenen Lippen bricht Unheimliches Freudengeheul – Weiter wütet die Liebesfeier. Zerfetzte Kamelien

Im heliotrop-durchtränkten, Blauschwarzen Haar; Die strotzende Brust, Dicht an die meine gebettet,

Mich umschlingend Mit den kußgeröteten Armen, Mit dem ganzen schlangengeschmeidigen Leib – Also teilst Du mein Lager.

Agonie der Wollust, Süß betäubende, Hat Dir langsam Deine fiebernden Sinne

Eingeschläfert, Hat die hochgespannten, Pressenden Muskeln Leise gelöst.

Ruhig steigt Dein Atem Auf und nieder Und ein Lächeln, Eines glücklichen Kindes

Seliges Lächeln, Streift verklärend, Dämon verscheuchend Über Dein Antlitz.

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