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1857

Im Palmenhaus

Felix Dörmann

Es war im Palmenhaus; die feuchte Luft, Von Blumendünsten schwer, umspielte laulich In weichen Wellen unser beider Haupt. In eine tiefgebauchte, kühle Gartenbank

Zurückgelehnt, so saßen wir, ganz still. Verklungen längst war Wort und Gegenwort, Wir waren beide müd, und reglos starrten Wir durch der Wände spiegelklare Scheiben

Tief in des Himmels safrangelben Glanz. Von Zeit zu Zeit, wenn abendkühl ein Windhauch Um unsere heißen Schläfen strich, erklang Gedämpft und mild durch weitgespreizte Fenster

Das Schluchzen der Fontainen aus dem Garten, Und leise rauschten dann die Fächerpalmen, Und Asiens wunderliche Riesenblumen, Von dunkelgrünem, sattem Laub umspielt,

Sie nickten langsam, wie Pagodenhäupter, Und schwergewürzte Glutarome rannen In die europamüden Schwärmerseelen ... Das Haupt an's Haupt gelehnt und Hand in Hand,

Mit heimwehkranker Seele träumten wir Von einer fernen Südseeinsel Strand, Wo reicher die Natur und farbenheißer, Wo lilasilbern Meereswogen leuchten

In winddurchkoster, schwüler Tropennacht, Wo still und träumerisch und sinnlich-mild, Das Leben weiterfließt, wo keine Schranken Des Herzens träumerisch-bizarre Wünsche

Stumpfsinnig-kühl verneinen und zerstören. Wo bist du, meine ferne Südseeinsel?

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