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1892

Schwindender Mond

Max Dauthendey

Bleich von Phosphor grünt die Stille. Hochauf jagen starr eisfahl die Wände. Schwarz am weißen Kluftrand brennt die Äthernacht. Kupferfeurig einer roten Scheibe Bogen

Schwillt am weißen Schachtsaum, Und die wilde Röte leckt Murmelnd an dem blassen Eis. Auf der höchsten blanken Klippenstufe

Zittert irisviolett eine dünne Tojablüte. Weiße Fühler aus den rosigen Schuppen Züngeln, tasten schlank gereckt Nach der Glut der roten Scheibe.

Sieh, mein Liebling, unsere blaue Flamme Blüht mattdünn, gespalten in zwei schwachen Blättern. Feuerkeime sinken von der roten Scheibe. Jener rote Bogen in dem schwarzen Äther

Ist die Erde. Schon zur Hälfte überflutet Schweres Rot den schwarzen Mund des Schachtes. Schwarze Ströme rollen nieder.

Dunkel welkt die grüne Stille, Und der weiße See erlischt aschendüster. Stumpf wälzt der trübe Spiegel Grau zerwühlt mein Silberbild.

Tief in grauerloschnen Gründen Kochen wetterfahl die erznen Seen. Eisenwellen sträuben schwarzen Schaum. Mit den blauen Schatten wandeln wir,

Bleich in bleichem Kreise um die dunklen Ufer. Alle, die einst lächelnd vor dem eignen Bilde knieten, Seufzen einsam. Rot in heiserm Scharlachschrei

Schwillt die Feuerscheibe lauter. Rot in Tropfen zünden sich Pupillen. Und die Schatten recken sich gerötet. Hoch aus schwarzem Äther

Rollt die Feuerblüte näher. Schwarze Kohlenäste sprießen, Sprühen Asche auf das bleiche Eiland. Ätherrauch erstickt das helle Eis.

Ferner rinnt das Singen welker Blüten. Du mein dunkles Bild, grau versengt, Müde löschen deine Augen, Müde glimmst du in dem welken Licht.

Rot aus meinem Blute brechen Feuerflügel, greifen nach den roten nahen Ufern. Sacht ein letzter weißer Klang Schwingt in schmalem, dünnem Bogen

Über lavadunklen Bergen Und Verklingt. Schmal in grauem Schweigen

Zieht auf dünnen Nebeladern Blaß ein Schatten in die Schatten.

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