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1892

Mein Weihnachten 1914

Max Dauthendey

Wohin hat mich ein Traum gebracht? Weihnachten nennt ihr diese Nacht! Ölpalmen stehen aufgeschlagen Wie Säulen, die die Sterne tragen.

Und Wärme kommt aus jedem Baum Der Mond hängt blumenhaft im Raum. Die Luft durchbebt von Blütengasen, Mein Fuß geht hin auf weichem Rasen.

Und wie ein Geist, dem Schwere fehlt, Bestaunt mein Herz die Tropenwelt. Die Orchideen dunkel liegen, Umkreist von blanken Feuerfliegen.

Ich taste hin durch diese Nacht, Vom Heer der Grillen laut bewacht. Ich suche, kann mich selbst nicht finden In dieser Weihenacht, der linden.

Ein Laut aus weiter Stille kam. Mir zittern plötzlich Trotz und Gram. Es fiel dort hinterm letzten Sterne Schlag oder Schuß aus klarer Ferne, –

Es krachte nur ein Palmenblatt, Das morsch zur Erde stürzen tat. Ich aber höre mehr und schaue Auf Felder hin, verschneite, rauhe,

Auf weiße Wege, eisig glatt. Der Mond, umraucht, scheint hier nur matt, Und große schwarze Flecken breiten Im Schneefeld sich, im himmelweiten.

Das Blut der Brüder heiß hier floß. Ein Sterbender liegt mir im Schoß. Er haucht: „Ich melde mich zur Stelle, Herr Leutnant!“ – Und Todeshelle

Tritt auf die Stirn. Sein Aug' erstarrt. Sein Blick wird wie das Eisfeld hart. Es ist nur Einer von den Tausend! Mein Blut schlägt mir zur Schläfe brausend.

Ich fühl' die Weihenacht vollendet, Da so voll Pflicht ein Deutscher endet.

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