Skip to content
1892

Da geht ein alter Schäfer

Max Dauthendey

Da geht ein alter Schäfer, Sieht ohne Gruß die Welt, Gebückt tief wie ein Schläfer, Der schlafend Reden hält.

Sein Hund fällt mit Gekeife Die kleinste Fliege an. Der Schäfer kaut die Pfeife Und stolpert stumm bergan.

Die Schafe fliehn und jagen, Der Berg gibt Bodenlaut, Der Schäfer könnt' ihn fragen. Nur zwein allein vertraut

Der Berg, was er gesprochen, Dem Schäfer und den Schnecken, Die ihm am Rücken krochen. Doch eh' von Lippenrunzeln

Des Schäfers Frage will, Da müßt' der Berg erst schmunzeln, Drum schweigen beide still. Sie wissen, was sie wissen:

Manch Ding lebt noch im Tod, Ists Herz grau und zerschlissen, Macht's keine Rede rot.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Da geht ein alter Schäfer · Max Dauthendey · Poetry Cove