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1892

Abenddunkel im Tann

Max Dauthendey

Kommt's Abenddunkel in den Tann, Dann jede Tanne spuken kann. Am Tag da sangen goldene Ammern Drin in den finstern Nadelkammern.

Und als ob man getanzt da hätte, So ist am Boden noch die Glätte. Von Kleidern einer Mädchenschar Hängt's Spinnlein Fäden mir ins Haar,

Wie eines Ärmels weißer Zipfel Steckt noch der Mond am Tannengipfel. Es möchte, könnt es mir gelingen, Mein Schatten nach den andern springen.

Viel Unruh rückt an meinem Schuh, Die Tanne sticht mit Nadeln zu. Die Stämme sind wie Menschen warm, Fühl' alle Welt und nichts im Arm,

Und eile heim, weil einen Kuß Bei meinem Schatz ich los sein muß.

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Abenddunkel im Tann · Max Dauthendey · Poetry Cove