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1823

[Tief um Mitternacht - ich ruhte]

Georg Friedrich Daumer

Tief um Mitternacht – ich ruhte Lange schon auf meinem Lager – Da begann es schön zu spuken, Da – ich hatt' es nicht erwartet –

Stellte sich das holdeste Der Gespenster bei mir ein. Mit Gelächter und Gesange, Schelmischen, verliebten Auges,

In der Rechten einen Becher, Trunkne Gluthen auf der Wange, Nahte meine traute Wonne, Setzte sich an meine Seite,

Faßte mich bei meinem Arme, Neigte sich mit ihrem Munde Meinem Ohr und rief hinein: „Schläfst du schon, mein fauler Alter?

Mußt du schon so frühe sinken? Hast du keine Lust zu trinken, Hast du keine Lust zu küssen? Werde doch ein wenig munter,

Koste diesen Becher Wein!“ Wenn der Sofi, dem ein Nachttrunk Dieser Art wird zugetrunken, Nicht den Wein anbetet, ist er

So beseelt, wie todte Klötze, So lebendig, als ein Stein.

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