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1823

[Neulich auf der schönsten Aue]

Georg Friedrich Daumer

Neulich auf der schönsten Aue Klettert' ich auf einen Hügel, Blickte sehnlich in die Runde, Spähte scharf in alle Ferne,

Ob vielleicht zu sehen wäre Irgend eine goldne Liebste, Mir bestimmt von einem endlich Nach so mancher stillen Zähre

Zugewandtem Huldgeschick. Siehe da, mit einem Male Naheten von allen Seiten Goldne Mädchen, schöne Sterne,

Wie geboren aus dem Strahle, Den die warme Sonn' im Lenze Sendet auf die Erde nieder, Wimmelten zu meinen Füßen

Allzuhauf im grünen Thale, Schlangen allerliebste Tänze, Sangen allerliebste Lieder; Ja die schönste von den Schönen,

Welche sich versammelt hatten, Hob sich in die Luft und schwebte Sacht herauf zu meiner Höhe, Ihre sanften Arme breitend

Mit der Liebe heißem Blick. Welch ein Taumel des Entzückens! Wie ich glühte, wie ich bebte! Immer näher kam der Engel,

Der geliebte; schon gedacht' ich Ihn zu fassen, ihn zu halten Selig in der Arme Strick; Aber in dem Augenblick –

Denn die Nacht mit ihrem Traume Neckte mich – da, weh, erwacht' ich, Und zu einem leeren Schatten, Und zu einem hohlen Schaume

War geworden all mein Glück.

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