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1823

[Ich gebe dir ein gut Gesetz]

Georg Friedrich Daumer

Ich gebe dir ein gut Gesetz, Ein redliches und reines hie: Genieße, was dein Herz erfreut, Doch Bruderherzen kränke nie! –

Die Flasche trug ich unter'm Arm, Da meinte man, es sei ein Buch Und irrte nicht; ich lerne draus Rhetorik und Philosophie. –

Lang an der Schale klebet' ich Da zog der Liebe starke Hand In's flammenheiße Centrum mich Aus frostiger Peripherie. –

Wohin gehörst du, strenge Maid? In's unbelebte Pflanzenreich. Die Meine, weil sie lebt, verlacht Der Sitte dumpfe Despotie. –

Des Schelteworts Beleidigung Verzeihet dir kein Nüchterner; Mich mag sie treffen ohne Scheu, Ich Trunkner überhöre sie. –

Schön mag es in der Höhe sein, Doch auch hier unten ist es schön; Lenz, Liebe, Becher, Lautenklang – Was willst du, daß ich ferne zieh'? –

Nicht sprich, Hafis, daß ungerecht Die Welt getheilt! Du hast genug; Hast deinen ewig heitern Geist Und deiner Reime Melodie.

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