Skip to content
1823

[Den Mundrubin, der mich berücket]

Georg Friedrich Daumer

Den Mundrubin, der mich berücket, In deinem Auge diese Pracht, Die klarer, als die Sonne blicket, Das Lockenhaar, das mich bestricket,

Das schwärzere, denn Mitternacht, Den Lilienschnee, woraus geworden Dein Busen ist, o mein Idol, Beschreib' ich ihn dem Feinde wohl,

Dem dumpfen aus verrücktem Orden, Dem gleichen einem Klotze schier? All diese zarte, süße Zier, Die göttlicher Natur Magie

Aus Seele, Duft und Lichte wob, Beschreib' ich sie dem Schulpedanten, Dem sich Gehirn und Herz verschob? Was wissen sie, die Ignoranten,

Des krassen Unsinns Hierophanten Voll abgeschmackter Prüderie, Die Wühler in gelehrtem Schunde Mit stierem Aug' und trocknem Munde,

Die traurigen, was wissen sie Von der Physik der Poesie, Was von der Liebe Pflanzenkunde, Von ihrer Mineralogie,

Von ihrer Farbentheorie?

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
[Den Mundrubin, der mich berücket] · Georg Friedrich Daumer · Poetry Cove