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1873

Sämund der Sieger

Felix Dahn

Odhins Sohn war Sämund, der Sieger, Sämund, der Sieger In See und in Saal:

Es mochten ihn Männer und Maide, Wo er nahte, der mächtige Mann! Zaubernd zog er – Kein Zweiter zwang ihn –

Über die Erde Mit goldenem Apfel: Drob mühte sich manches Mädchen Umsonst, zu bemeistern den Mann.

In den Frau'nsaal Freundlich der Fremde Trat, wo die trefflichen Töchter thronen:

Er war schimmernd und schön zu schauen, Wie der schiere Sonnenschein. „Die den Apfel Achtsam auffängt,

Welchen ich werfe, Darf Wunsch sich wählen: Was das minnige Mädchen meine, – Mag alles, muß alles ihr sein.

Aber ins Auge Muß sie mir aufschau'n, Während den Wunsch Und den Wurf wir wagen:

Und vermag nicht zu haschen die Maid ihn, – Muß sie bieten zum Kuß mir den Mund.“ Lang durchzog er Lächelnd die Lande;

Manches Mädchen Mußte den Mund ihm Errötend, den rosigen, reichen, – Den Rundapfel erreichte sie nicht:

Glanz geblendet Glitt ihr Blick, Schaute sie scheu In das Schimmerauge:

Es umfing ihr wie Ohnmacht den Atem, Und zur Erde irrte der Apfel. Also siegreich Segelte Sämund. –

Nun nach Niördhland Nahte sein Nachen: Da hauste die herrliche Halla, Die Herrscherin hehr und hold.

Sie sah vom Söller Ihn seeher schreiten: Sättigte – sicher! – Sich der Anschau:

„Nun, Frigg und freundliche Freya, Nun befreundet mich morgen früh.“ – In den Frau'nsaal Früh trat der Fremde:

Da ragte die Reizende Hoch aus der Reihe: „Wirf, wirf nur den Apfel! doch wisse Zugleich auch der Wirtin Wunsch!“

Schauernd erschaut' er Die Schimmerndschöne: Wirre ward ihm, Weh und wonnig:

Und er wußte nicht, wie zu werfen Und er wagte nicht, wegzusehn. Nur ganz nah flog Und niedrig der Apfel:

Doch springend sprach sie Das sprühende Wort: „Mein ward schon der Wurfapfel: – Ich wünsch' mir den Werfer dazu!“

Hoch in Händen Den Apfel hielt Halla: Knieend küßte Die Hand ihr der Kühne:

„Mein ward er, der Meister der Minne, Keinem Mädchen mehr müht er den Mund.“

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