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1873

König Manfreds Grab

Felix Dahn

Den toten Manfred plünderten Burgunden, Zerfleischend ihn mit zwanzig Lanzenwunden, Gern gab dem Ketzer jeder einen Stich: Und Karl von Anjou trat, der bleifarbbleiche,

Mit ehrnem Fuß fest auf die Brust der Leiche Und sprach: „Aas bist du – Herr bin ich.“ Auf ödem Heidemoor verscharrten Knechte Abseit vom Weg ihn unter Dorngeflechte. –

Ein Krüppel, dem er wohlgetan einmal, Wollt' ihm ein Holzkreuz auf die Grube setzen: Jedoch mit Hunden ließ hinweg ihn hetzen Johann, Cosenzas Kardinal.

Ein Dornbusch nur war Merkmal jener Stätte. – Doch nach sechs Jahren träumt' im Purpurbette Dem Anjou, – um sich schlug er mit der Hand! – Den toten Manfred hör' er drohend sprechen:

„Dein Reich wird spurlos in Italien brechen: Ich ruhe bald in freiem Land.“ Empor fuhr der Tyrann: „Dies Omen wend' ich! Des Ketzers ausgegrab'ne Knochen send' ich

Nach Frankreich, dort zu senken sie ins Meer!“ – Und auf das Schlachtfeld sandt' er seine Boten, Viel hundert Häscher nach dem Einen Toten: – Sie kamen heim, die Hände leer.

„Herr“ – sprachen sie – „mag uns dein Zorn verschlingen – Wir können diesen König nicht dir bringen: Ein Dornbusch – wie du weißt – stand an dem Ort: Der muß gewesen sein von wilden Rosen:

Denn unabsehbar jetzt im Lenzwind kosen Viel tausend, tausend Rosen dort. ‚Den Wald der Rosen‘ nennt den Ort die Menge; Unscheidbar wogt das duft'ge Strauchgedränge:

Unmöglich ward, daß man das Grab erkennt!“ – – Lang' ist des Anjous blutig Reich zerfallen: Um Manfred singt ein Heer von Nachtigallen Im Rosenwald von Benevent.

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