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1873

Die Wächter des Kalifen

Felix Dahn

Schlummre furchtlos, mein Gebieter, Schlafe sicher, o Harún: Wahrlich, deinem heil'gen Haupte Soll kein Hasser Leides tun!

Denn ob deinen Träumen wachen Vor der Tür der Löwen zwei: Und wer sagt es, wer von beiden Treuer oder stärker sei? –

Den Bemähnten hat dein scharfes Schwert befreit am Wüstenrand, Als die fürchterliche Schlange Schuppenringig ihn umwand.

Dankbar hat der Wüstenkönig Dir zu Füßen sich gestreckt Und gehorsam wie ein Hündlein Des Erretters Hand geleckt.

Nie mehr von der Ferse wich er Dir seither bei Nacht und Tag: Oft dein Haupt auf seiner weichen Mähne statt des Pfühles lag.

Aber Arslan, mich, den zweiten Deiner Hüter, hast du dir Fester noch ans Herz gekettet Als das königliche Tier.

Dich zu morden, aus Arabien Hatte mich mein Herr gesandt: Doch als ich dein Antlitz schaute, Da versagte Dolch und Hand!

Und ich stürzte dir zu Füßen Und gestand den Plan, den Mord: Und in Flammen sollt' ich sterben Nach der sieben Richter Wort.

Doch du blicktest mir ins Auge Und gebotest: „Sei mir treu Und behüte meinen Schlummer Künftig als mein zweiter Leu!“ –

Schlummre furchtlos, mein Gebieter, Schlafe sicher, o Harún: Wahrlich, diesem heil'gen Haupte Soll kein Hasser Leides tun! –

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