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1873

Der Wunschhort der Germanen

Felix Dahn

Es ruht versenkt an stillem Ort, Tief unter Urwalds Eichen, Ein teurer, bergentrückter Hort, Ein Wunschhort ohnegleichen.

Da liegt Herrn Wotans Runenspeer, Dabei Frau Friggas Spule, Dort blinkt der Becher, goldesschwer, Des Königs Ring von Thule.

Der Amalungen weißer Schild, – Das Schwert Herrn Karls, das scharfe: Leis' tönet, wie verträumt, so mild Des Vogelweiders Harfe;

Der Schöppenspruch auf Pergament, Der Schapel holder Maide, – Manch Lied, des Sänger niemand kennt, Und steinbespängt Geschmeide;

Des Rotbart flatternd Kreuzpanier, Des Rathausdaches Giebel, Der Hansa stolze Flaggenzier Und Doktor Luthers Bibel!

Darüberhin ein Hauch, ein Duft Kernfirnen Rheinweins brütet: O dringet kühn in diese Gruft, Die quellend Leben hütet!

Allauf, Genossen, unverwandt Laßt nach dem Schatz uns schürfen: Nur reines Herz und reine Hand Wird ihn erheben dürfen!

Er ist nicht tot: er wächst, er blüht, Er steigt uns selbst entgegen, Er will in Geist und in Gemüt Uns seinen Segen legen:

Den Segen deutscher Herrlichkeit, Die Heldenschaft der Ahnen; Laßt uns ihn heben allezeit: Den Volkshort der Germanen!

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