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1873

Der Fiedelmann

Felix Dahn

Das ist der alte Fiedelmann, Umwallt vom grauen Bart: Hebt der sein machtvoll Liedel an, Tönt's ganz besondrer Art:

Wie Zauberzwang geschwinde Lockt er vom Dorf die Kinde Heraus zur Heidenlinde. Und spielt er auf zum Sunnwendtanz,

Lupft sich von selbst der Fuß: Des Burschen Haar, der Dirne Kranz Tauscht knisternd heißen Gruß: Wer ihrer nie ward inne,

Dem weckt er füße Minne: Bald glühen alle Sinne. Und singt er grau vergangne Zeit, – Von Heldentodgeschick,

Vom Heunensturm, vom Völkerstreit: – Wie sprüht der Männer Blick! Das hallt wie helle Harfen, Da Könige noch die scharfen,

Die Schilddurchschmettrer warfen! Und tiefer zieht den Schlappenhut Der Wirrbart ins Gesicht: Hei, wie ihm lang verhaltne Glut

Vom grauen Auge bricht: Er singt, mit bittrem Leiden, Vom Gram der letzten Heiden Und von der Götter Scheiden.

„Der Eichenhain in Flammen loht! Der heil'ge Quell ward blut'ger Pfuhl: Frau Berta klagt: „hilf Sassenôt: In Trümmer barst die Irmensul!“

Auf! lichtumfloss'ne Frauen Aus götterleeren Gauen Empor zu Asgardhs Auen!“ Und Sehnsucht füllt der Hörer Sinn. –

Da stirbt gemach der Fiedelton. – Wo kam, wo schwand der Alte hin? Am Saum der Heide schwebt er schon! Noch fern klagt seine Weise:

Es ziehn ums Haupt ihm leise Zwei Raben ihre Kreise! –

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