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1873

Das Heidekind

Felix Dahn

Weit über die Heide bläst der Wind Und es nicken die Halme, so viel ihrer sind, Und die grauen Wolken jagen geschwind: – Da kommt es gewandert, das Heidekind.

Ihr rotes Gelock um den Nacken ihr fliegt, Ein elfisch Feuer im Aug' ihr liegt, Die Arme sind über die Brust geschmiegt. So wandert und irrt und läuft sie fort,

Sie weint keine Träne, sie spricht kein Wort, Doch sie sucht bald hier, sie späht bald dort. Und manchmal stockt sie im wirren Lauf Und schaut ringsum: zum Himmel drauf

Die goldenen Augen schlägt sie auf. O wie edel das bleiche, das schöne Gesicht! Flieh, Wanderer, flieh: – anrufe sie nicht! – Eh' die Seele dir Elfenlieb' umflicht

Und unsägliches Sehnen das Herz dir bricht.

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