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1859

An Napoleon III

Felix Dahn

Er war ein Dämon, Welchem du nachahmst: – Bist das auch du? Er war des Weltgotts

Erkorenes Rüstzeug: Jenem entsetzlichen Attila gleich, Welcher die Völker

Scheu vor sich hertrieb, Scheu wie die Geißel Den zitternden Knecht. – Doch als der grimme

Hunne vermeinte, Solches vollführ' er Aus eigener Kraft, Und es drehe die Erde

Für ihn sich zum Spielball, – Siehe, da ließ ihn Die haltende Hand, Und die hundertsträngige

Geißel zerbrach Auf dem Feld von Châlons Die germanische Faust. Und als die Zeiten

Wieder im Schlamme Müßiger Feigheit Lagen versumpft, Wählte die Gottheit

Ihn sich zum Schwerte, Den korsischen Mann: Ihn, der aus härtestem Erz war gegossen,

Aus dunkelgewaltigem Heldenmetall. Riesengedanken Auf finsterer Stirne,

Und das nimmer bezwungene Schwert in der Hand: – Also durchschritt er Den stöhnenden Weltteil,

Jedes Wort eine Tat, Jeder Tritt ein Triumph. Und wie zu gottge- Sendetem Unheil

Schauten zu ihm Die Völker empor: Ihn haßte der Gute, Ihm fluchte das Recht, –

Doch sie zollten ihm staunend Grausende Ehrfurcht: Denn Er war gewaltig, Ein Heros der Nacht. –

Doch als er für immer, Ein Henker der Freiheit, Schwang über die Häupter Der Völker den Stahl, –

Siehe, da ließ ihn Die haltende Hand, Und das nimmer bezwungne Korsische Schwert –

In Stücke zerbrach's Auf dem flandrischen Feld Die germanische Faust. – Er war ein Dämon,

Welchem du nachahmst, – Bist das auch du? Bist du des Weltgotts Erkorenes Rüstzeug,

Daß du dich solchen Erkühnens vermißt? Seh' ich die Häupter Mit Graun sich dir beugen

Wie vor geahntem Rächer des Herrn? – Mit Zorn und mit Abscheu Schaut dir ins Auge

Und mit heiligem Stolz Jeder wackere Mann! Wo sind die Zeichen Göttlicher Sendung?

Sprich, wo des Heros Erhabene Spur? Nein, du verschmitzter Tyrann von Paris,

Nächt'ger Gewalttat Tückischer Held, – Du bist kein Bote Des ewigen Gottes! –

Oder ist's dennoch Himmlische Schickung? Kamst du den Meinen Zu Frommen und Heil?

Darum die Gluten Heil'ger Begeist'rung, Wie rings sie entbrannt sind In Süd und in Nord?

Sind sie die Feuer- Zeichen der Eintracht? Scharet mein Volk sich Um Einen Altar,

Endlich den alten, Flucherblichen Hader Opfernd in Flammen Des edelsten Zorns? –

O dann wird rasch Dein Geschick sich erfüllen! Heil uns, dann wandern Die Völker aufs neu'!

Über die Alpen, Über das Rheintal Flutet der Deutschen Versammelter Strom:

Wieder für alle Stämme der Erde Ringet und blutet Und siegt mein Volk,

Übet sein altes, Sein ritterlich Amt, Vorfechter zu sein Für die Völker zumal,

Vorfechter der Freiheit, Der Zucht und des Rechts: Und wiedereinmal Vor dem Tor von Paris

Zertrümmert die Kette Der blut'gen Gewalt Die Rechte des Herrn: Die germanische Faust.

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