Skip to content
1632

Selbigen Tag vmb den Abend zur Kobbelbude folgendes:

Simon Dach

Du kühler Frischingk, dessen Bach Artzney hegt wieder Vngemach Vnd Frewde kan in mir erwecken, Sey günstig, weil ich vnbekant

Hie kriech vmb deinen grünen Rand Durch wild-verwachßne Püsch vnd Hecken. Ich suche Platz, da ich allein Vnd von Gesellschaft frey kan seyn,

Mit mir mich einig zu ergetzen: Mein Geist ist niemahls baß daran, Alß wenn ich einsam leben kan Vnd ein berühmtes Liedchen setzen.

Es meint der mich allein sieht gehn, Ich müsse wo verlassen stehn, Er irrt vnd kennt nicht mein Gemühte, Auch mancher Fürst hat kaum vmb sich

So schöne Compagnie alß ich, Vmb mich ist aller Himmel Güte. Natur, Erkäntnüs, Weißheit, Welt, Vnd waß die Tugend in sich helt

Sind Freunde, welche mich vmbgeben: Der Höchste selbst schätzt mich so wehrt, Daß er in meine Seele kehrt Durch Gnüge, Fried vnd stilles Leben.

Auch sprech ich meinen Reimen zu, Die sindt mir Reichthum, Ehr vnd Ruh, Macht mich wo Fall vnd Zeit verdrossen, Sie weinen hertzlich, wein ich wo,

Erfrew ich mich, auch sie sind froh Vnd meine besten Haußgenossen. Der Seelen Vorraht hegt allein, Waß vnß in Noht kan tröstlich seyn,

Es thun es nicht die Anverwandten, Daß sich ein Mensch zufrieden gibt: Den König, ist sein Hertz betrübt, Stillt nicht die Auffsicht der Trabanten.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Selbigen Tag vmb den Abend zur Kobbelbude folgendes: · Simon Dach · Poetry Cove