Laß mich schlaffen liebste Seele Wilst du nicht zu frieden seyn? Daß ich mich am Tage quäle Und mein Hertz viel tausend Pein
Deinetwegen muß ertragen Soll mich noch ein Schatten-Spiel Mit verliebten Träumen plagen? Engels-Kind! das ist zu viel.
Können doch verhaste Sclaven Weil das Schiff vor Anker liegt Bey der Nacht geruhig schlaffen Ich allein schlaff unvergnügt
Auch die Nacht will mich nicht schützen Denn mein Hertz erfährt darbey Daß es muß erbärmlich schwitzen: Tag und Nacht ist einerley.
Wenn der überhäuffte Kummer Meinen schwachen Glieder-Rest Ja zuletzt in einem Schlummer Auf das Bette sinken läst
Schlaff ich doch auf Jacobs Steinen Denn es wird mir bey der Nacht Gleich was in dem Traum erscheinen Das sich Engeln ähnlich macht.
Ich darf zwar in Himmel steigen Welcher deinen Schooß umschleust Weil dein gütiges Bezeugen Mir im Traum die Leiter weist
Und geniesse Zucker-Leben, Das mir deine karge Hand Nimmermehr wird wachend geben Denn du bist von Diamant.
Amor läst mich träumend siegen Und ich seh der Palmen satt Auf der weissen Wahlstatt liegen Die mein Arm erfochten hat
Und bey meinem süßen Schlaffen Wenn sich Mast und Seegel regt Läufft mein Schiff in deinen Hafen Den die Venus angelegt.
Ich beschiff bey Sturm und Blitzen Deine neu erfundne Welt; Wenn die Wellen um mich spritzen Und der Schaum ins Bette fällt
Land ich eh ichs mich versehe An den Zucker-Insuln an So daß ich sie in der Nähe Halb entzückt besteigen kan.
Wenn ich mich in Träumen paare Find ich keinen Widerstand Den ich offt bey Tag erfahre Denn im Schlaff darf meine Hand
Nach den Purpur-Muscheln greiffen Die dein Ufer ausgesät Ja ich darf noch weiter streifen Weil mir alles offen steht.
Aber, ach! wenn ich erwachet Sincket mir mein steiffer Muth Ob ich gleich im Schlaff gelachet Und es mir noch sanffte thut
Läst mich doch der Glaube lesen Der mir in die Hände kömmt Daß mich nur ein schäumicht Wesen Bey den Träumen überschwemmt.
Meine Glieder saynd geschlagen Und der ausgebrochne Schweiß Stehet daß ichs kaum mag sagen Auf dem Leibe Tropffen-weiß
Ich kan kaum die Lenden rühren Denn die Geister seynd dahin Noch mich aus den Federn führen Weil ich matt und müde bin.
Drum so stelle liebste Seele Künfftig hin dein Martern ein Da ich mich am Tage quäle Laß die Nächte meine seyn
Sich am blossen Schatten laben Ist ein Eiß das bald zerbricht Was ich nicht soll wachend haben Mag ich auch im Traume nicht.
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