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1876

14. Triumph des Uebermenschen

Hermann Conradi

Schaust du die Sterne, vergißt du der Wesen, Die zu Füßen unzählig dir wimmeln: Unter ewigen, ehernen Himmeln Wirst du vom Reiche der Schatten genesen!

Schicksalgekrümmter Staubbestimmter! Raffe mit kühnen Freierhänden Ihre Rätsel in deine Brust –

Und du wirst in stolzer Lust Deines Wanderns Fragmente vollenden! Sterblicher! Sprich mit der Ewigkeit! Sterne geben dir ihr Geleit –

Brennen auf deinen Scheitel nieder – Gießen Ströme des Segens aus: Daseinsfreude hebt die Lider – Türmet die Quadern des neuen Baus!

Siehe! Unter dem Baldachine Ewiger Unermeßlichkeit Heitert sich des Dulders Miene! Golgathas blutrotes Schmerzenskleid

Färbt sich zu weißem, bläulichem Glanze – Himmelsprache: köstlich Kristall, Drin sich erklären die Stäubchen im Tanze – Draus sich enthüllt das erlösende All!

Sterblicher! Hüte den Schatz, den einen, Drin sich Leben und Tod vermählt – Drin sich Sünde und Gnade vereinen – Und deine Schmerzen sind gezählt!

Sterblicher! Deine Schmerzen verfliegen – Deine Tränen saugt der Sand: Ueber die Kleinheit wirst du siegen, Da dich die Größe übermannt!

Glaubst du den Sternen, vergißt du der Schatten, Die dir zu Füßen in Knäueln sich winden: Die sich der Kraft nie verloren hatten, Werden in der Kraft sich nie wiederfinden!

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