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1797

[Doch nun sprich weiter! rede fort]

Samuel Taylor Coleridge

Doch nun sprich weiter! rede fort, Daß deine Stimm' ich hör'! Wer treibt gen Norden jenes Schiff? Was macht das blaue Meer?

Noch wie ein Sklav' vor seinem Herrn Liegt still der Ozean; Mit seinem großen Auge sieht Schweigend den Mond er an –

Ob er auch wisse, wohin er fließe; Das Meer ja lenkt er immer! Sieh, Bruder, sieh doch, wie das Meer So milde grüßt sein Schimmer!

Doch wie eilt ohne Flut und Wind Das Schiff durchs blaue Meer? Die Lüfte schließen sich hinter ihm, Sind vor ihm nimmermehr!

Fleuch, Bruder! kommen sonst zu spät! Fleuch höher, höher, Lieber! Nur träg zum Ziel schwimmt jener Kiel, Wenn des Seemanns Traum vorüber.

Ich wurde wach; wir segelten, Nichts hemmte des Schiffes Lauf; Die Nacht war still, der Mond stand hoch, Die Toten standen zuhauf.

Die lägen besser auch im Sarg, Umstehn mich allzumal Und sehn mit glas'gem Aug' mich an; Drin blitzt des Mondes Strahl.

Der Fluch, mit dem sie starben, zuckt Noch auf dem Angesicht; Mein Auge sah das ihre an, Doch beten konnt' ich nicht.

Und wieder schaut' ich hin aufs Meer, Auf seine Flut, so grün; Und spähete, doch sah ich nichts, Als was ich sah vorhin.

Ich stand wie einer, dem im Wald Auf dunklem Pfade graut; Der immer, immer vorwärts eilt Und nimmer rückwärts schaut;

Er weiß, ein Feind ist hinter ihm; Sein Herz schlägt bang und laut. Da rauschte Windeswehn mich an, Es wehte leise her;

Ich wußte nicht, woher es kam, Nicht kräuselt' es das Meer. Es hob mein Haar; wie Lenzeshauch Umspielt' es meine Wangen.

Mir war so bang, doch kühlt' es mich, Als wollt's mich froh empfangen. Schnell wohl, schnell wohl flog das Schiff, Und doch so sanft, so leicht!

Leise, leise blies der Wind – Nur mich sein Wehn erreicht. O Freudentraum! ist dies fürwahr Des Leuchtturms graue Wand?

Ist dies die Kirch', ist dies der Berg? Ist dies mein Heimatland? Und schluchzend fleht' ich, als wir nun Durchsegelten den Hafen:

O, laß mich bald erwachen, Gott! Sonst laß mich immer schlafen. Hell war, wie Glas, des Hafens Bucht Und klar die Flut des glatten;

Und auf der Bucht lag Mondenschein Und auch des Mondes Schatten. Der Fels schien hell, die Kirche hell, Die sich auf ihm erhebt;

Der Mond beschien den Wetterhahn, Der auf der Kirche schwebt. Ein schweigend Licht umfloß die Bucht; Da hoben sich Gestalten!

Es waren Schatten allzumal; Rot ihre Kleider wallten. Nicht fern vom Gallione war's, Wo ich die Schatten sah;

Da schaut' ich wieder aufs Verdeck – O Gott, was sah ich da! Am Boden flach lag jeder Leib, Und, bei des Kreuzes Zeichen!

Helleuchtend standen Seraphim Rings auf den blassen Leichen. Sie winken mir wohl für und für; O himmlisches Gesicht!

Sie leuchten weit aufs Ufer hin, Umstrahlt von süßem Licht. Sie winken mir wohl für und für; Sie sprechen nicht – o Lust!

Ihr Schweigen sinkt wie Melodie Mir in die wunde Brust. Und bald vernehm' ich Ruderschlag; Horch, des Piloten Gruß!

Von selber wendet sich mein Haupt – Ein Boot an Schiffes Fuß! Der Lotse und des Lotsen Sohn, Die rühren sich im Boote;

Gott, welche Freude! großer Gott! Die stören doch nicht Tote! Ein dritter noch: der Siedler ist's! Horch, seine Stimme schallt!

Laut singt er seinen Lobgesang, Den er gemacht im Wald. Des Vogels rotes Blut wäscht er Von meinen Händen bald.

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