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1870

Eine Nacht

Ada Christen

Ich hab' einen schönen Traum geträumt In einer langen Nacht; Da warst du gut und freundlich mit mir, Doch hat's mich traurig gemacht.

Du hieltest mich an die Brust gedrückt, Unser Athem hat sich vereint; Ich habe dir die Hände geküßt Und leise dabei geweint.

Du legtest die Hände mir auf's Haupt Und sahst mich forschend an; Ich aber weinte immer fort, Du hast mir Leides gethan.

„Und hab' ich dir auch Leides gethan, Vergiß es nur geschwind Und weine nicht“ – so sprachest du – „Mein armes verlorenes Kind!

Du sollst nicht mehr verlassen sein, Ich will dich hegen und pflegen, Und weil du bald stirbst, so will ich Dich selbst zur Ruhe legen.“ –

Ich aber weinte immer fort In der langen bangen Nacht – Und bin im Arm eines Andern Am Morgen aufgewacht.

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Eine Nacht · Ada Christen · Poetry Cove