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1809

Nacht und Winter

Adelbert von Chamisso

Von des Nordes kaltem Wehen Wird der Schnee daher getrieben, Der die dunkle Erde decket; Dunkle Wolken ziehn am Himmel,

Und es flimmern keine Sterne, Nur der Schnee im Dunkel schimmert. Herb und kalt der Wind sich reget, Schaurig stöhnt er in die Stille;

Tief hat sich die Nacht gesenket. Wie sie ruhn auf dem Gefilde, Ruhn mir in der tiefsten Seele Dunkle Nacht und herber Winter.

Herb und kalt der Wind sich reget, Dunkle Wolken ziehn am Himmel, Tief hat sich die Nacht gesenket. Nicht der Freude Kränze zieren

Mir das Haupt im jungen Lenze, Und erheitern meine Stirne: Denn am Morgen meines Lebens, Liebend und begehrend Liebe,

Wandl ich einsam in der Fremde, Wo das Sehnen meiner Liebe, Wo das heiße muß, verschmähet, Tief im Herzen sich verschließen.

Herb und kalt der Wind sich reget, Dunkle Wolken ziehn am Himmel, Und es flimmern keine Sterne. Wie sie ruhn auf dem Gefilde,

Ruhn mir in der tiefsten Seele Dunkle Nacht und herber Winter. Leise hallen aus der Ferne Töne, die den Tag verkünden. –

Wird der Tag denn sich erhellen? Freudebringend dem Gefilde Wird er strahlen, Nacht entschweben, Herber Winter auch entfliehen,

Und des Jahres Kreis sich wenden, Und der junge Lenz in Liebe Nahen der verjüngten Erde. Mir nur, mir nur ew'ger Winter,

Ew'ge Nacht, und Schmerz, und Tränen, Kein Tag, keines Sternes Flimmer!

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