Skip to content
1827

Eid der Treue

Adelbert von Chamisso

Mißtrauest, Liebchen, du der flücht'gen Stunde, Des Augenblickes Lust? Bist Brust an Brust du nicht, und Mund an Munde, Der Ewigkeit bewußt?

Ich soll nur dir, und ewig dir gehören; Du willst darauf ein Pfand: Wohlan! ich will's mit kräft'gem Eid beschwören, Ich hebe meine Hand:

Ich schwör's, elftausend heilige Jungfrauen, Bei eurem keuschen Bart; Bei Jakobs Leitersprosse, die zu schauen In Mailand wird bewahrt;

Ich schwör es noch, zu mehrerem Gewichte – Ein unerhörter Schwur! – Beim Vorwort zu des Kaisers Karl Geschichte, Und bei des Windes Spur;

Beim Schnee, der auf dem Libanon gefallen Im letzt vergangnen Jahr; Bei Nihil, Nemo, und dem andern allen, Was nie sein wird noch war.

Und falls ich dennoch jemals untreu würde, Vergäße jemals dein, So soll mein Eid verbleiben ohne Würde, Und ganz unbündig sein.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Eid der Treue · Adelbert von Chamisso · Poetry Cove