Skip to content
1829

1Der DichterFußnoten

Adelbert von Chamisso

„Auf! wach auf! entsetzlich müssen Fieberträume dich erschrecken, Krampfhaft stöhnst du, – laß mit Küssen Dich dein treues Weib erwecken.“ –

Dank dir, Weib; verscheuchst die bangen Träume, hegst mich traut umfangen, Und noch starrt mein Haar empor; Noch, wohin die Blicke schweifen,

Seh ich blut'ge Leichen schleifen, Schwebt der Greuel Bild mir vor. Dieses Buch – es ist vergebens! Laß an deiner Brust mich weinen,

Nimmer wird die Lust des Lebens Wieder lächelnd mir erscheinen. Chios, blühnder Friedensgarten, Weh! du unterliegst dem harten,

Dem entmenschten Blutgericht; Deine neunzig tausend Bürger Sind erwürgt, es zürnt der Würger, Daß an Opfern es gebricht.

Allah! ruft der Moslim, hauet Greise nieder, Kinder, Frauen; Christus! ruft der Raja, schauet Himmelwärts mit Hochvertrauen;

Er begehrt die heil'ge Palme; – Menschen mähet der, wie Halme, Jauchzet auf, ob Allahs Sieg. – Das ist zu des Himmels Rache,

Das ist für die heil'ge Sache Völker- und Vernichtungskrieg! Die dem Wüterich zu Willen Christensklaven hier verladen,

Schnöden Goldesdurst zu stillen Sich in Blut und Tränen baden, Die nach Stambul blut'ge Glieder Liefern der erschlagnen Brüder –

Weh mir! – sind – o Schand und Spott! Wagt mein Mund es auszusprechen? – Franken sind es, und die Frechen Nennen Christum ihren Gott.

Und die Pairs von Frankreich haben Eines hohen Rats gepflogen, Solcher Schandtat, solchen Knaben Recht und Strafe zugewogen.

Du – Villele, sollst mir sagen, Der den Rat zu unterschlagen Du dich nicht entblödet hast: Kennst du noch des Schlafes Mächte?

Nicht die Träume meiner Nächte Tauscht ich gegen deine Rast!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
1Der DichterFußnoten · Adelbert von Chamisso · Poetry Cove