Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz
Auf! säume nicht mein Sinn ein gutes Werck zu wa- gen Und aller Tichterey auf ewig abzusagen; Gib weiter kein Gehör wenn die Syrene singt Und such ein ander Spiel das bessern Nutzen bringt.
Wie? sprichst du soll ich schon ein Zeitvertreib verschwe- Dadurch ich bin gewohnt die Grillen abzukehren Das mir in Sicherheit bißher die Stunden kürtzt An statt daß mancher sich aus Lust in Unlust stürtzt
Der weil ein schwartzer Punct im Würffeln aus geblie- Zuletzt aus dem Besitz der Güter wir getrieben. Ich thu mir schon Gewalt wenn ich viel Thorheit seh Die ich bescheidentlich mit schweigen übergeh;
Das aber ding’ ich aus nicht zu des Nechsten Schaden Nein; sondern nur mein Hertz der Bürde zu entladen Daß ich durch einen Reim was ich den gantzen Tag Geduldig angemerckt mir selbst vertrauen mag.
Den schenck’ ichs keinem nicht kein Ort ist den ich schone Von schlechten Hütten an biß zu des Königs Throne. Ein bärtiger Heyduck der wie ein Cherubim Die Streit-Axt in der Hand die Augen voller Grimm
Der Außerwählten Sitz verschleußt für meines gleichen Muß wie ein schüchtern Reh von seiner Wacht entwei- Wenn mein gerechter Zorn erst anzubrenne Und sich biß in den Schooß des blinden Glückes drengt
Die Larve vom Gesicht des Lasters weg zu reissen; Weh dem der thöricht ist und dennoch klug wil heissen! Denn wo sein Name nur sich in die Verse schickt So wird er alsofort dem - - - - be
In meinem Schüler-stand auf den bestaubten Bäncken Hub sich die Kurtzweil an; Solt’ ich auf (die man gezwungen lernt und länger nicht bewahrt Als biß der kluge Sohn nach Papageyen Art
Sie zu der Eltern Trost dem Lehrer nachgesprochen ) So ward mir aller Fleiß durch Reimen unterbrochen Da mahlt’ ich ungeübt in meiner Einfalt ab Wenn Meister und Gesell mir was zu lachen gab;
Biß nach und nach die Zeit den Vorhang weggeschoben Und mir was scheltens werth hingegen was zu loben Was Hof und Kirch und Land und Stadt für Wunder Und was mir selber fehlt getreulich ausgelegt.
Das mach’ ich mir zu nutz und durch des Himmels Güte Werd’ ich je mehr und mehr bestärckt daß ein Gemüthe Wenn es der Tyranney des Wahnes obgesiegt Und seine Freyheit kennt gantz Peru überwiegt;
Das ists was offt mein Kiel schleußt in gebundnen Sä- Was mich nun dergestalt in Unschuld kan ergätzen Wozu mich die Natur - - - - halt ein verführter Drum eben straff’ ich dich weil ich besorget bin
Es möchte was itzund noch leicht ist zu verstören Sich endlich unvermerckt in die Natur verkehren; Wo hat Justinian das strenge Recht erdacht Durch welches ein Phantast wird Vogel-frey ge-
Und da ein weiser Mann dis für was grosses schätzet Daß man noch keinen Zoll auf die Gedancken setzet Ist wol der beste Raht man seh’ und schweige still Und stelle jedem frey zu schwermen wie er wil
Indem es fast so schwer die rohe Welt zu zwingen Als mancher Priesterschafft das Beicht-Geld abzubrin- Ein Spiegel weiset uns der Narben Heßlichkeit Doch wird er offtermahls deswegen angespeyt.
Du meynst zwar was du schreibst sol nie das Licht er- Wie bald kan aber dis auch dir eins mißgelücken? Von deinem schönen Zeug entdeck ich wie mich deucht Schon manch geheimes Blat das durch die Zechen
So wirst du ein Poet wie sehr du es verneinest; Wer weiß ob du nicht bald in offnem Druck erscheinest; Vielleicht wird dein Gedicht des Müßigganges Frucht Noch bey der späten Welt einmahl hervor gesucht
Und zwar mit Juvenal in einem Pack gefunden Wenn man ihn ohngefehr in Leschpapier gewunden. Schreibt dir dein bester Freund der deinen Raht begehrt So scheints als hieltest du ihn keiner Antwort wehrt
Bringt jemand ein Gewerb das auf dein Wohlerge- Auf Ehr und Vortheil zielt; du läßt ihn draussen ste- Triffst du Gesellschafft an die ein Gespräch ergetzt Wo der Bekümmertste sein Leid beyseite setzt
So runtzelst du die Stirn in so viel hundert Falten Daß du offt für ein Bild des Cato wirst gehalten Ein jeder wolte gern erfahren was dich quält; Indessen schleichst du fort weist selbst kaum was dir
Dein Hauß wird zugesperrt die Schlösser abgespannet So wie’s ein Zaubrer macht wenn er die Geister bannet Und da die halbe Welt von aller Arbeit ruht Weckst du den Nachbar auf den des Camines Glut
Und späte Lampe schreckt die dich im Fenster zeigen Als woltst du Thurm und Dach aus Mond-Sucht ü- Warum? was ficht dich an? was ists? was macht Ein Wort; was für ein Wort? das hinten reimen sol.
Verdammte Poesie! mein Sinn laß dich bedeuten Eh ich dir Niese-Wurtz darff lassen zubereiten; Greiff erst die Fehler an die du selbst an dir siehst Eh du der andern Thun durch deine Hechel ziehst;
Doch solt ich hier die Müh dich zu erforschen nehmen Wir müßten ists nicht wahr? uns für einander Kurtz: wer das Richter-Amt auf seinen Schultern Der seh daß sein Gesetz mit seinem Wandel stimmt.
Wird doch die Cantzel roht wenn ein erhitzter - - - Der geilen Heerde schwatzt von Sodom Rach und In Cloris Gegenwarth die noch verwichnen Tag In dem verliebten Arm des treuen Hir
Ists müglich kan dir noch die Tichter-Kunst gefallen? Gib Achtung bitt ich dich wie unsre Lieder schallen Und was für eine Bruth man allenthalben heckt So weit sich das Gebieth des Teutschen Bodens streckt.
Durch Opitzs stillen Bach gehn wir mit trocknen Füssen Wo sieht man Hoffmanns Brun und Lohnsteins Ströh- Und nehm ich Bessern aus wem ist wol mehr vergönnt Daß er den wahren Quell der Hyppocrene kennt?
Wer itzt aus Pfützen trinckt tritt in Poeten Orden So daß der Helicon ein Blocksberg ist geworden Auf welchem das Geheul des wilden Pans erthönt Der seine Sänger-Zunfft mit Hasen-Pappeln krönt.
Vor alters wo mir recht ward nie ein Held besungen Wenn er nicht durch Verdienst sich in die Höh geschwun- Und eine Redens-Art die göttlich solte seyn Die ward zu solcher Zeit den Sclaven nicht gemein.
Wo lebt itzt der Poet der dis Geheimniß schonet? So bald er einen merckt der ihm die Arbeit lohnet Wird seinem Pegasus der Sattel aufgelegt Der ein erkaufftes Lob biß an den Himmel trägt;
Den wir mit solcher Post so offt zum Zorne reitzen Und öffter noch vielleicht als sich die Sterne schneutzen. Daß grossen theils die Welt in träger Lust verdirbt Und sich um wahren Ruhm so selten mehr bewirbt
Ist der Poeten Schuld: Der Weyrauch wird verschwen- Und manchem Leib und Seel um die Gebühr verpfändet Daß die Unsterblichkeit ihm nimmer fehlen kan Der wie ein Erden Schwam sich kaum hervor gethan
Und den sonst anders nichts vom Pöbel unterscheidet Als daß ein blöder Fürst ihn an der Seite leidet Da er für jedes Loth das ihm an Tugend fehlt Ein Pfund des eitlen Glücks und schnöden Goldes
Man denckt und schreibt nicht mehr was sich zur Sache schicket Es wird nach der Vernunfft kein Einfall ausgedrücket; Der Bogen ist gefüllt eh man an sie gedacht;
Was groß ist das wird klein was klein ist groß gemacht; Da doch ein jeder weiß daß in den Schildereyen Allein die Aehnlichkeit das Auge kan erfreuen Und eines Zwerges Bild die Artigkeit verliert
Wenn er wird in Gestalt des Riesen aufgeführt. Wir lesen ja mit Lust Aeneas Abentheur Warum? stößt ihm zur Hand ein grimmig Ungeheur So hat es sein Virgil so glücklich vorgestellt
Daß uns ich weiß nicht wie ein Schröcken überfällt. Und hör’ ich Dido dort von Lieb und Undanck sprechen So möcht ich ihren Hohn an den Trojanern rächen; So künstlich trifft itzund kein Tichter die Natur
Sie ist ihm viel zu schlecht er sucht ihm neue Spuhr: Geußt solche Thränen aus die Lachens-würdig scheinen Und wenn er lachen wil so möchten andre weinen. Ein Teutscher ist gelehrt wenn er sein Teutsch versteht
Kein Wort kömmt für den Tag das nicht auf Steltzen Fällt das geringste vor in diesen Krieges-Zeiten So dünckt mich hör ich schon die Wetter-Klocke leuten Ein Flammen-schwangrer Dampff beschwärtzt das Lufft-
Der Straal-beschwäntzte Blitz bricht überall herfür Der grause Donner brüllt und spielt mit Schwefel- Der Leser wird betrübt beginnet fort zu eylen Biß er ins Truckne kom̃t weil doch ein Wolcken-Guß
Auf solchen starcken Knall nothwendig folgen muß Und läßt den armen Tropff der Welt zur Straffe reimen Wie ein Beseßner pflegt in seiner Angst zu scheumen Geht wo ein Schul-Regent in einem Flecken ab
Mein GOtt! wie rasen nicht die Tichter um sein Grab; Der Tod wird ausgefiltzt daß er dem theuren Leben Nicht eine längre Frist als achtzig Jahr gegeben; Die Erde wird bewegt im Himmel Lerm gemacht
Minerva wenn sie gleich in ihrem Hertzen lacht Auch Phöbus und sein Chor die müssen wider Willen Sich traurig ohne Trost in Flohr und Boy verhüllen. Mehr Götter sieht man offt auf solchem Zettel stehn
Als Bürger in der That mit zu der Leiche gehn; Ein andrer von dem Pfeil des Liebens angeschossen Eröffnet seinen Schmertz mit hundert Gauckel-Possen Daß man gesundern Witz bey jenem Täntzer spührt
Den die Tarantula mit ihrem Stich berührt; Was er von Kindheit an aus Büchern abgeschrieben Das wird mit Müh und Zwang in einen Verß getrieben; Die Seuffzer wie er meynet erweichen Kieselstein
Die voll Gelehrsamkeit und wohl belesen seyn. Des Aetna Feuer-Klufft muß seiner Liebe gleichen Und aller Alpen Eyß der Liebsten Kälte weichen Indessen aber wird das arme Kind bethört
Und weiß nicht was sie fühlt wenn sie dergleichen Ja wenn ihr Coridon gebückt vor ihren Füssen Der Klage Bitterkeit ein wenig zu versüssen Nichts anders als Zibeth und Ambra von sich haucht
Und sie kein Biebergeil zum Gegenmittel braucht So mag des Mörders Hand was ihm von seinem Tich- Noch etwan übrig bleibt auf ihre Grabschrifft richten.
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