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Vergebliche Sorgen

Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz

Weicht eitle Grillen weicht, ihr kräncket nur die Sinnen, Ihr schwächet die Vernunfft, und schrecket das Gesicht, Den Abgrund weiset ihr, und Hülffe wißt ihr nicht, Ihr schaffet Müh und Schweiß, und könt doch nichts gewinnen,

Ihr öffnet uns die Bahn zum zeitigen Verderben, Und macht das Leben schon in erster Blüthe sterben! Was noch geschehen soll, das hält uns Gott verborgen, Er weiß, ein schlimmes Heut ist an sich selber schwer;

Wir aber holen uns noch neue Dornen her, Als wär' es nicht genug, für jeden Tag zu sorgen; Wir sincken schon, aus Furcht des künfftigen, zur Erden, Das nie gewesen ist, nicht ist, und nicht kan werden.

Warum verlangen wir in stetem Glück zu weiden, Und wünschen, was vorhin kein Sterblicher gethan? Entfällt uns denn so gar, daß wir viel besser dran, Als tausend neben uns, die unsern Stand beneiden?

Kan uns der Sonnenschein so trübe Regung machen, Wie wird es künfftig gehn, wenn erst die Wolcken krachen? Drum rauschet nur vorbey, ihr Kummer-volle Fluthen, Das ist das beste Guth, was in uns selbst besteht;

Und, weil des Vaters Hand das Rad der Schickung dreht, Sind, eher Küsse noch, als Schläge, zu vermuthen. Er schicke, was Er will, wir können nicht entrinnen; Weicht, eitle Grillen, weicht, ihr kräncket nur die Sinnen.

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