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1654–1699

Vergebliche Sorgen.

Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz

Weicht eitle Grille weicht ihr kräncket nur die Sinen Ihr schwächet die Vernunft und schrecket das Den Abgrund weiset ihr und Hülffe wißt ihr nicht Ihr schaffet Müh und Schweiß und könt doch nichts ge-

Ihr öfnet uns die Bahn zum zeitigen Verderben Und macht das Leben schon in erster Blüthe sterben! Was noch geschehen soll das hält uns GOtt verborgen Er weiß ein schlimmes heut’ ist an sich selber schwer;

Wir aber holen uns noch neue Dornen her Als wär’ es nicht genug für jeden Tag zu sorgen; Wir sincken schon aus Furcht des künftigen zur Erden Das nie gewesen ist nicht ist und nicht kan werden.

Warum verlangen wir in stetem Glück zu weyden Und wündschen was vorhin kein Sterblicher gethan? Entfällt uns denn so gar daß wir viel besser dran Als tausend neben uns die unsern Stand beneiden?

Kan uns der Sonnen Schein so trübe Regung machen Wie wird es künftig gehn wenn erst die Wolcken krachen? Drum rauschet nur vorbey ihr Kummer-volle Fluthen Das ist das beste Gut was in uns selbst besteht.

Und weil des Vaters Hand das Rad der Schickung Sind Küsse noch viel ehr als Schläge zu vermuthen. Er schicke was Er wil wir können nicht entrinnen; Weicht eitle Grillen weicht ihr kräncket nur die Sinnen.

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Vergebliche Sorgen. · Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz · Poetry Cove