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1654–1699

Morgen-Lied.

Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz

Seele du must munter werden Denn der Erden Blickt hervor ein neuer Tag Komm dem Schöpffer dieser Straalen Was dein schwacher Trieb vermag.

Doch den grossen GOtt dort oben Wollen nicht nur Lippen seyn Nein! es hat sein reines Wesen Hertzen ohne falschen Schein.

Deine Pflicht die kanst du lernen Deren Gold der Sonne weicht. So laß auch von GOtt zerrinnen Hier im Finstern schöne deucht.

Wer Ihn ehret wird mit Füssen Lust und Reichthum deiser Welt. Wer Ihm irdisches Ergetzen Der thut was Ihm mißgefällt.

Schau wie das was Athem ziehet Um der Sonnen holdes Licht; Wie sich was nur Wachsthum spüret Wenn ihr Glantz die Schatten bricht.

So laß dich auch fertig finden Deinen Weyrauch weil die Nacht Da dich GOtt für Unglücks-Stürmen Ist so glücklich hingebracht.

Bitte daß Er dir gedeyhen Wenn du auf was gutes zielst Aber daß Er dich mag stöhren Wenn du böse Regung fühlst.

Es wird nichts so klein gesponnen Endlich unverborgen bleibt Gottes Auge steht viel heller Was ein Sterblicher betreibt.

Denck daß Er auf deinen Wegen Daß Er allen Sünden-Wust Ja die Schmach verborgner Flecken Und errathen was du thust.

Wir sind an den Lauf der Stunden Der entführt was eitel heißt Und der dein Gefäß O Seele Eines Sterb-Gewölbes reißt.

Drum so seufze daß mein Scheiden Sondern sanftes Schlaffen sey Und daß ich mit Lust und Wonne Wenn des Todes Nacht vorbey.

Treib indessen Gottes Blicke Wer sich seiner Huld beqvemt Den wird schon ein frohes gläntzen Daß der Sonnen Gluth beschämt.

Kränckt dich etwas diesen Morgen Der es wie die Sonne macht Welche pflegt der Berge Spitzen Und auch in die Thäler lacht.

Um das was Er dir verliehen Eine Burg die Flammen streut. Du wirst zwischen Legionen Die der Satan selber scheut.

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