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1654–1699

Lob des Tobacks.

Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz

Sonn und Licht hat sich verkrochen Und die Nacht ist angebrochen Soll ich nun des Tages-Last Meine Sorgen und mein Grämen

Auff das Lager mit mir nehmen? Nein ich wil um meine Rast Zu befordern erst die Pfeiffen Mit Toback gestopfft ergreiffen.

Unter allen seltnen Wahren Die man uns in vielen Jahren Hat aus Indien gebracht Wird bey Jungen und bey Alten

Dieses Kraut den Preiß behalten Weil es frohe Geister macht; Ja biß sich die Welt wird trennen Wird sein stetes Opffer brennen.

Andrer Tand der Specereyen Kan dem Leibe nicht gedeyen Und was ist für Angst und Noht Was für Kriegen und für Morden

Nach der Zeit verspüret worden Da des Goldes theurer Koth Selbst in ihren eignen Haafen Macht die Könige zu Sclaven?

Des Tobacks-Kraut güldne Blätter Sind bey manchem Unglücks-Wetter Ein beliebter Gegen-Gifft Wider Pest und Leibes-Wunden

Sind sie schon bewerth gefunden Und wenn uns ein Kummer trifft Können wir durch sanfftes Hauchen Sie zu unserm Labsal brauchen.

Daß die Lust und Pracht der Erden Und ich selbst zu nichts muß werden Hat mich der Toback gelehrt Wenn sein zarter Dampff sich zeiget

Der hoch in die Lüffte steiget Und sich bald in nichts verkehrt; Daß nun solch ein Kraut entsprossen Hat dem Satan sehr verdrossen.

Er kan ohne dem nicht leiden Wenn ein Mensch in stillen Freuden In ihm selbst vergnüget ist. Drum des Vaters eitler Grillen

Seinen Wunsch nicht zu erfüllen Schmauch ich als ein frommer Christ. Er und alle Welt mag toben Ich wil den Toback doch loben.

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Lob des Tobacks. · Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz · Poetry Cove