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1654–1699

Gratulation an einen guten Freund.

Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz

Vergönne mir mein Freund daß ich dir etwas stiffte Das länger dauren sol als Ertz und Marmelstein. Mich freut dein Wohlergehn drum fahr ich durch die Die zwischen dir und mir nunmehr befestigt seyn.

Du wirst des Fürsten Raht im allerhöchsten Orden Da dieser Name sich bey mir im Schatten weist Und bist im rechtem Ernst zur Excellentz geworden Da mich mein Bauer kaum gestrenger Juncker heißt.

Getrost! ein gleicher Blick wird auch auf diese Zeilen Und meine Niedrigkeit von deinem Gipffel gehn Als du dich nicht geschämt den Brieffen zu ertheilen Die dir von Wort zu Wort noch im Gedächtniß stehn.

Du hast dich nimmer nicht noch andre so vergessen Daß man Veränderung an dir befürchten kan Noch nach der Aemter Maaß die Freundschafft abge- Du sahst die Redlichkeit und nicht den Purpur an.

So ist ein jeder froh daß Fridrich dich erhoben Daß endlich dich das Glück erwischet bey der Hand Und gleichsam mit Gewalt auf einen Ort geschoben Den dir Verdienst und Wunsch hat lange zuerkant.

Denn mit der Mutter-Milch hast du den Trieb gesogen Den deines Bruders Zucht vollkommener gemacht Des Bruders dessen Lob Europa durch geflogen Der euren Sieben-Stern zum Vorschein hat gebracht.

Wie rühmlich du die Zeit auf Schulen angeleget Das gab uns zuverstehn das tief-gelehrte Blat Dadurch Arminius ward in der Grufft beweget So bald der munter - - auf den Catheder trat;

Hernach nahmst du den Weg nach weit entlegnen Orten Und ludest da dein Schiff mit solchem Zeuge voll Das dir den Grund gelegt zu einer Ehren-Pforten An der die späte Welt dein Denckmahl lesen soll.

Die Seyne mit der Theems zusamt der Norden Cronen Die sahen so entzückt dich edlen Märcker an Als der so erst gesehn daß Moskau die Melonen So gut und besser noch als Welschland zeugen kan.

Bald wurdest du entdeckt von Fridrich Wilhelms Blickē Du hörtest sein Geheiß das eine Prüfung war Wie du zu seinem Dienst dich künfftig würdest schicken Und legtst ein Meister-Stück an statt der Probe dar.

Sarmatien zürnt noch weil jenen Haupt-Rebellen Dein Arm aus seinem Schutz und seinem Schoosse riß Nachdem du ihm gewust so künstlich nachzustellen Daß er als wie ein Hecht an deine Darge biß.

Es würde sich mein Kiel auf halbem Weg ermüden Wann er mit gleichem Schritt verfolgte deinen Lauf Wie du ihn fortgesetzt in Waffen und im Frieden Das alles zeichnet schon das Zeit-Register auf.

Uns ist ja deine Müh und Wachen unverborgen Als du ein Krieges-Heer genehrt mit Uberfluß Und wie du für die Pracht des Fürsten kontest sorgen Bezeigt dein Marschallstab bey jenemFrieden-Schluß.

Zuletzt hast du den Staat zwo theurer Princeßinnen Von vielen Jahren her zu deinem Ruhm geführt Davon die erste schon der Sternen hohe Zinnen Die ander noch die Welt als wie ein Wunder ziert.

Dein Churfürst welchem sie der Himmel auserlesen Der stellet dich zum Haupt bey ihrem Hofe vor Der einem Helicon so lange gleich gewesen Als du Apollo warst in unserm Musen-Chor.

Weil auch die holde Schaar war deiner Huht vertrauet Dazu so viel Gedult als auch Verstand gehört So hast du sie mit Lehr und Leben so erbauet Daß auch dein Regiment kein Fehltrit hat entehrt.

Der Argus konte dort nicht eine Kuh bewachen Als ihm des Kupplers Lied die hundert Augen schloß Hier aber konte nichts dein Aufsehn irre machen Dir war auch eine Zahl von zwölffen nicht zu groß.

(ihr Schönen lasset euch dis Gleichniß nicht verdriessen Ein Anblick solcher Kuh hat Hertzen angesteckt Es warf sich solcher Kuh ein Jupiter zu Füssen Es lag in solcher Kuh ein himmlisch Bild verdeckt.)

Doch wird auch dieser Kreyß dir mit der Zeit zu enge Der Landes-Vater sinnt auf deiner Tugend-Lohn Und rufft dich mit Bedacht aus seiner Diener Menge Daß du mit weisem Raht sollst stützen seinen Thron.

Mit was Bescheidenheit sehn wir dein Antlitz gläntzen Als man dir den Beruff zur neuen Würde bringt Und wie schallt diese Post so bald durch fremde Gräntze Weil Namurs Ubergab zu gleicher Zeit erklingt.

Zu Cotbuß höret man halb Unteutsch von dir sprechen: Hihr Leute wißt ihr wol was hunser Optmann ist? Und dieser Wenden Volck hälts für ein Amts-Verbreche Wan es an deiner Schrifft nicht Hand und Siegel küßt.

Doch das Vergnügen bleibt nicht nur bey den Barbaren Wie als Geheimten Raht dein - - - dich umfaßt Mag ein Geheimniß seyn das du allein erfahren Auch wie du dein Geschlecht durch dich erbauet hast.

Mehr als ein grosses Land bejauchzet dein erhöhen Insonderheit die Marck hat Ursach stoltz zu seyn Und schnitzt zu Hermendorff an den berühmten Seen Was du geworden bist in allen Eichen ein;

Die wohlgetrofne Wahl hat allen deinen Freunden Ein unverhofftes Fest der Freude zugericht; Wobey der blasse Neid sich schämt dich anzufeinden Und keinen Nessel-Strauß in deine Kräntze flicht.

In dessen glaube mir daß da ich dieses tichte Ein ungewohnter Zug mir selber mich entreißt Und nach Propheten Art dir ewiges Gerüchte Nebst hohem Alterthum und stetem Glück verheißt.

Ich seh als im Gesicht was andre von dir hoffen Da die Gelegenheit dich zu was seltnes treibt Dir steht ein neues Feld zu neuen Thaten offen Dran mancher Puffendorf sich noch zu Tode schreibt.

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