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1654–1699

Der Sünden-Schlaff. Sonnet.

Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz

O GOtt! ich bin nicht werth daß du mir so viel Güte Von Kindes-Beinen an biß diesen Tag gezeigt. Wie kömmts denn daß mein Mund von deinem Da ich doch ohne dich in tausend Noth geriethe?

Wie kömmts daß öfter nicht aus feurigem Gemüthe Mein Weyrauch voller Danck zu deinem Throne steigt? Ich habe leyder mich zum Sünden-Schlaaf geneigt! Der Wollust süsser Traum entgeistert mein Geblüte

Herr wecke du mich auf der du mein Retter bist; Ich weiß daß in dem Schlaaf mein Tod verborgen ist; Daß Träume dieser Welt wie leichte Schatten triegen; Komm bald und mache mich doch deiner Liebe werth

Und wenn mein müdes Hertz ja eine Ruh begehrt So laß es nur allein in deinen Wunden liegen.

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