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1654–1699

Der 103. Psalm.

Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz

Entzünde dich in Andacht meine Seele Und lobe GOtt aus tiefster Hertzens-Höhle! Sein Nahme sey recht inniglich gepriesen Und was Er dir O Seele guts erwiesen

Das laß mit Danck zu seinem Ruhm erschallen Und nimmermehr aus dem Gedächtniß fallen. An statt daß Er an dir sich könte rächen Spricht Er dich loß und heilet dein Gebrechen;

Errettet dich von des Verderbens Stricken; Und krönt dein Haupt mit lauter Gnaden-Blicken Daß du dich kanst mit deinem Munde freuen Und an der Krafft dem Adler gleich erneuen.

Gerechtigkeit schafft Er an allen Enden Und lässet nicht die Unschuld ewig schänden. Er hat sein Volck zu einem Bund verpflichtet Den Er schon längst durch Mosen aufgerichtet;

Der zeigt uns an was wir zu leisten schuldig Doch ist der HERR barmhertzig und geduldig. Sein sanffter Sinn hält keine Maaß noch Schrancken Er segnet gern und wil nicht immer zancken

Und ob wir uns gleich täglich von Ihm trennen Läßt Er den Zorn nicht unaufhörlich brennen Die stärckste Glut bricht aus in Liebes-Flammen Die hindern Ihn uns Sünder zu verdammen.

So hoch Er hat gespannt des Himmels Decken Muß seine Huld sich über die erstrecken Die Busse thun. Denn muß der Dampf der Sünden So weit der Ost von Westen ist verschwinden

Sein Vater-Hertz fängt hefftig an zu wallen So bald wir Ihm in Furcht zu Fusse fallen. Der Schöpffer kennet sich und sein Geschöpffe Wir sind nur Staub zubrechlich schwache Töpffe

Zwar ist der Mensch im Leben anzuschauen Als frisches Graß auf den beblümten Auen Doch wenn sich kaum die rauhen Lüffte rühren Ist Blum und Graß und Mensch nicht mehr zu spühren.

Gott aber läsit sich unverändert finden Und seine Gnad an keinen Wechsel binden Die über die in Ewigkeit soll walten Die seinen Bund und Willen heilig halten

Im Himmel hat Er seinen Stuhl bereitet Und überall den Scepter ausgebreitet, So lobet GOtt ihr seines Thrones Helden Die ihr bemüht seyd seine Macht zu melden

Ihr die ihr euch habt seinem Dienst ergeben Auf! helfft das Lob des HErren hoch erheben. Die Creatur auf Erden und dort oben Auch Seele du: Es soll Ihn alles loben!

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