GoTT du lässest mich erreichen
Abermahl die Abend-Zeit
Das ist mir ein neues Zeichen
Deiner Lieb und Gütigkeit
Laß jetzund mein schlechtes Singen
Durch die trübe Wolcken dringen
Und sey gegen diese Nacht
Ferner auf mein Heyl bedacht.
Neige dich zu meinem Bitten
Stoß nicht dis mein Opffer weg.
Hab’ ich gleich oft überschritten
Deiner Warheit heilgen Steg
So verfluch ich meine Sünden
Und wil mich mit dir verbinden
Reiß du nur aus meiner Brust
Alle Wurtzel böser Lust.
Herr es sey mein Leib und Leben
Und was du mir hast geschenckt
Deiner Allmacht übergeben
Die den Himmel selbst beschränckt.
Laß üm mich und üm die Meinen
Einen Strahl der Gottheit scheinen
Der was deinen Namen trägt
Als dein Guth zu schätzen pflegt.
Laß mich mildiglich bethauen
Deines Seegens Uberfluß
Schirme mich für Angst und Grauen
Wende Schaden und Verdruß
Brand und sonst betrübte Fälle.
Zeichne meines Hauses Schwelle
Daß hier keinen nicht der Schlag
Des Verderbers treffen mag.
Wircke du in meinen Sinnen
Wohne mir im Schatten bey
Daß mein schlaffendes Beginnen
Dir auch nicht zu wider sey.
Schaffe daß ich schon auf Erden
Mag ein solcher Tempel werden
Der nur dir und nicht der Welt
Ewig Licht und Feuer hält.
Geht ihr meine müde Glieder
Geht und senckt euch in die Ruh
Wenn ihr euch regt morgen wieder
Schreibt es eurem Schöpffer zu
Der so treue Wacht gehalten.
Wenn ihr aber müßt erkalten
Wird des bittern Todes-Pein
Doch der Seelen Vortheil seyn.