Skip to content
1654–1699

Abend-Lied.

Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz

GoTT du lässest mich erreichen Abermahl die Abend-Zeit Das ist mir ein neues Zeichen Deiner Lieb und Gütigkeit

Laß jetzund mein schlechtes Singen Durch die trübe Wolcken dringen Und sey gegen diese Nacht Ferner auf mein Heyl bedacht.

Neige dich zu meinem Bitten Stoß nicht dis mein Opffer weg. Hab’ ich gleich oft überschritten Deiner Warheit heilgen Steg

So verfluch ich meine Sünden Und wil mich mit dir verbinden Reiß du nur aus meiner Brust Alle Wurtzel böser Lust.

Herr es sey mein Leib und Leben Und was du mir hast geschenckt Deiner Allmacht übergeben Die den Himmel selbst beschränckt.

Laß üm mich und üm die Meinen Einen Strahl der Gottheit scheinen Der was deinen Namen trägt Als dein Guth zu schätzen pflegt.

Laß mich mildiglich bethauen Deines Seegens Uberfluß Schirme mich für Angst und Grauen Wende Schaden und Verdruß

Brand und sonst betrübte Fälle. Zeichne meines Hauses Schwelle Daß hier keinen nicht der Schlag Des Verderbers treffen mag.

Wircke du in meinen Sinnen Wohne mir im Schatten bey Daß mein schlaffendes Beginnen Dir auch nicht zu wider sey.

Schaffe daß ich schon auf Erden Mag ein solcher Tempel werden Der nur dir und nicht der Welt Ewig Licht und Feuer hält.

Geht ihr meine müde Glieder Geht und senckt euch in die Ruh Wenn ihr euch regt morgen wieder Schreibt es eurem Schöpffer zu

Der so treue Wacht gehalten. Wenn ihr aber müßt erkalten Wird des bittern Todes-Pein Doch der Seelen Vortheil seyn.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Abend-Lied. · Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz · Poetry Cove