Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz
Es ist O Mensch heut abermahl Ein Tag von deiner Jahre-Zahl Verflogen und in nichts verwandelt. Du näherst dich zu deiner Grufft;
Und zu der Stimme die dich rufft; Thu Rechnung wie du hast gehandelt. Wer aber giebt die Sicherheit Daß morgen noch um diese Zeit
Du dieses Leben wirst geniessen Gott Vielleicht ist man alsdenn bemüh’t Dich in vier Bretter einzuschliessen.
Rückt unvermerckt die Zeit heran In der dein Nachbar sagen kan Von dir: auch dieser ist verschieden. Weil du nun nicht die Stunde weist
Wolan so rüste deinen Geist Daß er hinfahren mag in Frieden Du hast dich in die Welt vergafft Was aber hat sie dir geschafft?
Viel trübe wenig frohe Stunden. Doch hast du ihr aus eitlem Sinn Den Lebens-Kern gegeben hin Und GOtt mit Hülsen abgefunden.
Reiß dich von ihren Stricken loß Allein in deines Vaters Schooß Da ist das höchste Guth zu finden; Doch must du wieder als ein Kind
Seyn redlich gegen Ihm gesinnt Und dich entschlagen aller Sünden. Lieb’ Ihn weil du Ihn ehren must Und laß dich nicht Gewalt noch Lust
Von diesem heilgen Vorsatz trennen. Nimm das mit frohem Hertzen auff Was Er in deinem Lebens-Lauff Dir zu gebrauchen wil vergönnen.
Sein Wort sey deiner Augen Zweck; Geh immer den geraden Weg Und scheint das Glück dir nicht gewogen So ist der beste Rath: schweig still
Denn wer nicht willig folgen wil Wird mit den Haaren fortgezogen. Noch keiner hat durch Menschen-Gunst Vielweniger durch eigne Kunst
Ihm einen Wohlstand aufgebauet Gott hat die Hand in jedem Spiel Bald giebt Er wenig und bald viel Doch dem genug der Ihm vertrauet.
Wer sich gewehnt auff GOtt zu sehn Und wo die Welt ihr Wohlergehn Drauff setzt als eitel zu betrachten Der ist an dem Gemüthe reich
Sein Vorrath Crösus Schätzen gleich Er aber höher noch zu achten. O Mensch du bist ein fremder Gast Und weil du hier nichts eignes hast
So must du auf den Himmel dencken. Drum laß dich nicht in etwas ein Das dir verhinderlich mag seyn Und auch wol deinen Nechsten kräncken.
Zwar weiß dein Nicht was der Zwang ihm gutes thut Doch must du dich entgegen setzen. Und wenn dich böse Lust anficht
So sprich: O GOtt hilf daß ich nicht Mir mein Gewissen mag verletzen. Gelegenheit die dich verführt Zu dem was Missethat gebiert
Must du wie Schlangen-Bisse meiden Der Satan schleicht denck immer dran Daß die geringste Sünde kan Mit GOtt dich von einander scheiden.
Hast du gefehlt so trage Reu Doch bald und sonder Heucheley Du bist nicht Meister deiner Stunden. Und weist du der du sicher bist
Obs immer GOtt gelegen ist Wenn du mit Ihm wilst seyn verbunden. Erneure noch in dieser Nacht Den Bund den du mit GOtt gemacht
Und geh in seinem Namen schlaffen. So wird Er auch nach seinem Rath Das was Er dir verliehen hat Vertheidigen mit starcken Waffen.
Mein Schöpffer gib daß was itzund Gesungen hat mein schwacher Mund In meinem Hertzen mag bekleiben. Und schaffe ferner daß dein Geist
Wenn eine neue Frucht sich weist Sie mag zum vollen Wachsthum treiben.
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