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1817–1871

Canzone XIV .

Karl Candidus

Wie heult es herzzerschneidend durch die Lüfte! Wie tost es durch den Wald! Von jenen Bäumen, Den stattlich hohen, stöhnt gewalt'ges Stöhnen. Es wirft der Sturm des Wassersturzes Schäumen

Und zerrt und läßt ihn rasen in die Klüfte. Wie leuchtet neustets vor dem Donnerdröhnen Der Fels im prächtig schönen Blitzglanz! Verkehrt in Nacht ist Tag. Es fallen

Die Tropfen stärker, doch mich schirmt, o Buche! Dein Laubdach. Keinem Fluche Mehr bebt dies Herz wenn wilde Stimmen schallen. Du hast ganz andre Stürme mir geleget,

O Herr! und sie auch hatte Huld erreget. Bestimmungsloses Fühlen ist kein Fühlen. In Schmerz und Lust nur ist Gefühl entfaltet. Drum spannt das

Als Widerspruch und Unortnung gestaltet. Und Wahn und Lüge, Haß und Tod durchwühlen Die Welt. Doch sieh! mit Finsterniß versticht sich Und zeigt der Liebe Licht sich

Urstets, der Liebe Leben, denn begründet In ew'ger Einheit nur ist ew'ges Brechen. Da muß der Bruch sich rächen Durch Sehnsuchtsweh, und sel'ges Heil verbündet

Treu mit Versöhnung sich und stiller Friede. Drob preist, o Herr! auch Und wird nun wer gefangen war wol sagen: Gebt nochmals Ketten daß ich freier werde?

Und wer wird sprechen: laßt uns mehr erkranken Um besser zu gesunden? Mensch von Erde! Wie sollten mit der Sünde wir uns tragen Der wir gestorben sind, da in Gedanken

Mit sterbensvollem Wanken Der alte Mensch in uns zum Tod begleitet Den Herrn vom Himmel, der in uns nun lebet? Wenn's von den Lippen bebet:

Versöhnt ist Alles. Von der Sünde Schranken, Nun sie zertrümmert, aufweint brünstig Danken. Hier haben keine Stimme, die am Satze Des Widerspruches abzugweise hangen

Und deren Denkthat wirklich noch im Grauen Des Bruches und des Widerspruchs befangen. Mit Recht bezeugen sie die Teufelsfratze Die sie als Hinterhaubt des Guten schauen.

Ich möcht' im bläulich grauen Helldunkel eines Tempels lieber sehen Ein Jünglingsantlitz qualverstört und trotzig, Selbst etwas läppisch-protzig,

Doch immer gotthaft, während Heilsergehen Auf vord'rer Janusstirn freundselig ruhte Wie er mit Schlüssel thront und Königsrute. Licht überströmt vom Kreuze die Geschichte

Rückwärts und vorwärts. Schmerzenreiches Irren Bezeichnete des Menschen erstes Wollen Auf Erden, doch in stets vermehrte Wirren Trat Wahrheit aus prophetischem Gesichte,

Und dringender auftrat erhab'nes Sollen, Bis Wahrheit mit dem vollen Inhalt der Heiligkeit sich offenbarte. Dem Jugendschmerz wird Altersheil entblühen.

Es läßt nach unsern Mühen Der Herr uns schau'n was er uns aufbewahrte. Sei neuer Siegel Aufschluß dann begonnen. Wir harren einer Ortnung ird'scher Dinge

Die Gottes Reich verdient genannt zu werden. Nur geistig ist sein Reich und darum eben Soll Alles geistgeortnet sein auf Erden. In Adams Reich ist Arbeit Fluches Schlinge,

In Gottes muß sie sich zum Spiel erheben. In Adams Reich erstreben Sich beste Kämpfer selten heil'gen Frieden, In Gottes ist er Allen, wie dem Kinde

Aus Gnaden gar geschwinde Und sonder Mühe noch Verdienst beschieden. O komm du Spiegel sel'ger Gottesklarheit, Komm bald und sei des Kreuzes äuß're Wahrheit.

Wie spannt dort anmutreich der Regenbogen Sich ob der tiefen, duftig grünen Schneuse! Der Aufruhr der Natur hat ausgewütet Und freundlich schließt der Himmel seine Schleuse.

So tret' ich denn heraus, euch Balsamwogen Des Waldes frisch zu trinken, denn behütet Hat seinen frohgemütet Dankbaren Knecht der Herr auch diesmal wieder.

O Amselschlag, o volles, reiches Tönen! Und rings wie viel des Schönen! Erquickung strömt durch Herz und Haubt und Glieder. Mit mark'gen Knochen steht zugleich im Leben

Wer wahrhaft sich dem Himmel hat ergeben. O Freudigkeit des Glaubens! Den Satan sah Wie einen Blitz. Was bleibt vom Wetterscheine

Wenn er erlosch? Das reine, Das heitre Blau wo ew'ge Sterne wallen, Wo, schöngeschmückt zu priesterlichem Handeln, Die seligen Gedanken Gottes wandeln.

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