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1817–1871

Canzone XII .

Karl Candidus

Den Tauftag meines Sohnes grüßet munter Mit lautem Chor der Kirchenspatzen Völklein Wie tiefer thurmab gleitet Sonnenröte Und sacht verglimmen wangenglühe Wölklein.

Ein frischer Morgenwind weht sanft herunter Daß er zum Festtag seinen Gruß entböte. Wenn innerlich erhöhte Gemütsstimmung das Leben uns begeistet,

Wie ist die Erde schön! Und sie wär' schöner Wenn nicht wie Tagelöhner Die Menschen, ach! ihr Königswerk geleistet. Es bleibt die Schönheit der Natur verhüllet

So lang der Lügengeist die Welt erfüllet. O Gottentfremdung, einzig Eine Sünde, Wie hast du mein Geschlecht mir zugerichtet! Verfinstert der Verstand! Verstockt die Herzen!

Und der Gesellschaft Grundortnung vernichtet! Wer ist so klug daß Einklang er ergründe Wo üppig wuchern Millionen Schmerzen? Ach! selbst die Himmelskerzen

Des Lichtes leuchten nicht den „Ewigblinden“ Und „äschern Stadt und Land ein“ zum Beweise Daß sich im Jammerkreise Drehn muß die Menschheit bis sie Gott mag finden.

Das ist die Wahrheit jener alten Lehre Daß erblich stets die Sünde wiederkehre. Denn innerstes und äußeres Verderben Erzeugen für und für sich wechselseitig

Und graunvoll hoffnungslose Doppelknechtschaft Macht was da Mensch heißt sich als Beute streitig. Gesteigert muß dies Elend stets vererben Die Lügenschöpfung welche das Geschlecht schafft.

Weh! niemand ist der recht schafft. Gesammtbeziehungslos hinschwirrend spielen Der menschlichen Natur verkannte Triebe. Erkenntniß gibt die Liebe

Von Sonderkräften und gemeinen Zielen Allein ja und die Liebe ward zum Spotte. Es schaut der Mensch den Menschen außer Gotte. Da ist von Menschenachtung kein Gedanke,

Kein Sinn für eigenthümliche Entfaltung, Kein Ahnen daß darin die Grundbestände Vorhanden göttlicher Gesammtgestaltung. Da wuchert widrig wild der Frechheit Ranke

Wenn nicht an toter Formeln starre Wände Sie binden plumpe Hände. Wer weiß von Einem Gott und vielen Kräften? Wer weiß von Einem Leib und vielen Gliedern

Und ehret auch die niedern Und weiß von Aller nützlichen Geschäften? Durch Gottentfremdung fiel der Menschheit Ganzes Wie Blumen auseinander eines Kranzes.

O nehmt mein Kind und bringt's dem Kinderfreunde Der einer neuen Menschheit Vater worden! Da wo er steht ist eine reine Stelle, Da kann die Sünde nicht mein Würmlein morden,

Da herzt und segnet es die welterneu'nde Hehrheil'ge Hand und streut ihm Himmelshelle Hold auf des Lebens Schwelle Und stellt es hin als groß im Gottesreiche,

Obgleich auch über ihm schon schwebt Verdammung Daß die Gesammtverschlammung Sein Füßlein, wie es wandeln lernt, erreiche. Ein Kind ist ja nur mögliches Entfalten.

Wird mir's die arge Welt nicht arg gestalten? O nimm hinweg, den Schatten weg, den kalten, Der schon die junge Stirn bestreicht, mein Heiland! Laß deine Taufe meines Kindes Wiege

Umströmen wie ein unnahbares Eiland Wo deine Heiligen Gemeinschaft halten Als Himmelsvolk das da die Welt besiege. In Jüngerarmen liege

Und wachse es als Glied der Neugesellschaft, Wo sich das Heil vererbt wie dort das Kranken Und wo der Gottgedanken Aus Allem leuchtet wie er Alles hell schafft.

Da wird es heiliger Gemeingeist lehren Und Wassertauf' in Feuertaufe kehren. Wol weiß ich, ach! daß nicht am gleichen Ort lebt, Daß dünn zerstreut das Häuflein deiner Söhne,

Doch so nur zeigt es allwärts das Verderben Und zeigt es allwärts deine Himmelsschöne Und jeder Christ, in dem dein Geist und Wort lebt, Muß die Genossen, die er wünscht, erst werben.

Sollt' ich drum frühe sterben, Wirst in Gestalt erleuchtet frommer Männer Du meinem Kinde da und dort erscheinen Und dir den Jüngling einen

Als einsichtsvoll lebendigen Bekenner. Mein Kind, wenn Gott das Leben ihm verleihet, Der unsichtbaren Kirche sei's geweihet. Sei denn getauft im Namen des Dreieinen,

Den wir als Ausgang, Weg und Heimkunft kennen, Und der als jedes Dieses alle Drei ist, Wie Größe sich und Grenze niemals trennen, Und sollte Solches dir einst dunkel scheinen,

Mein Sohn, wenn deine Kindeszeit vorbei ist, So wisse daß da frei ist Und bleibt in Gott wer in der Liebe bleibet, Und habe Christum lieb in allem Leben,

Und selig süßes Beben Wird dir bezeugen daß der Geist dich treibet Und daß an dir erfüllt ist was dem Glauben Verheißen und kein Schicksal dir wird rauben.

Ihr aber, Murmelquellen dieser Erde, Ihr Brunnen Gottes, sel'ger Ruhe Stätten, Ihr Ströme die ihr hohe Rede tauschet, Ihr Alpenseeen in den Felsenbetten

Wo stolz euch bettete der Allmacht Werde, Und du o Weltmeer das da tiefaufrauschet, Wenn einst mein Jüngling lauschet Dem Zauber eurer ew'gen Melodeien,

Dann laßt ihn still sich in sich selbst versenken Und kindlich fromm gedenken Der Tropfen die ihr gabet ihn zu weihen. Erzählt ihm von der Menschen Wehethume

Das ihr gesehen, und von Jesu Ruhme. Denn Jesus ist der Herr und wird's vollenden, Wie er's begonnen und geführt bis hieher. Den Kopf zertrat er ja der alten Schlange

Als in sich selbst er stellte Harmonie her Und die nicht schweigte, nein, für alle Enden Der Welt ausgoß in säuselnd sanftem Klange. Was ringreich uns so bange

Umwindet, ist nur mehr des Schlangenleibes Graunvolles Qualgeschling und Todeszucken, Das uns noch will erdrucken. Fahr hin! dich traf der Same längst des Weibes.

Es gibt der Geist uns Zeugniß deines Falles. Der auf dem Stuhl sitzt spricht: „sieh! neu wird Alles!“

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