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1817–1871

Canzone XI .

Karl Candidus

Der Welt will dünken daß zweitausend Jahre Der Trauer und der Treue mehr als schicklich. Ihr bist du tot, ja längst tot, und sie findet Dein zu gedenken nimmermehr erquicklich.

Ich aber weiß, Geliebter! daß die Bahre Dich nicht erbeutet und kein Grab dich bindet. Du lebst und nimmer schwindet In deinen Freundesarmen mein Gedenken

An alle Todesqual die du gelitten Als du mich dir erstritten Und neustets muß ich mich darein versenken. Welch roher Sinn, wenn dein ich je vergäße

Und meine Dankbarkeit nach Jahren mäße! Der Menschheit hast du Ewiges erblutet, Und unser Dank, nicht darf er sein vergänglich. Ach, wäre doch Einbuße sein Erkalten,

Verlust des Heils womit du überschwänglich Uns ringsum wie mit einem Meer umflutet! Darum erkor ja Tod dein klares Walten, Daß du uns seist erhalten

In brennendem, erkennendem Gedächtniß. Wie heilig, wenn der Kirche Glocken rufen Zu deines Tisches Stufen, Wie heilig soll mir sein, Herr, dein Vermächtniß!

Stets möge da in stillem Liebestrauern Ein neues Maß des Heils mich überschauern. Da will ich alles deines Bluts gedenken Das uns zu gut geflossen gleich dem Weine.

Das Ahnen der Propheten aller Völker, Du warst's ja selbst, und Von Anbeginn ja wolltest du uns lenken. Allbildungswort,

Du bist auch Schwung und Anlauf der Geschichte. Dein Blut von Alters her sind die Entdecker, Erfinder und Erwecker Die durch ihr Leuchten zeugten von dem Lichte.

Du blutetest so oft sie mochten leiden, Sie alle darf ich nicht vom Mittler scheiden. Im Menschen Jesus dann zertratst der Schlange Den Kopf du und sie stach dich in die Ferse,

Und purpurn quoll, derweil die Knechte flohen, Des Sämanns Blut in's Feld bei Pflug und Herse. O eine Nacht der Hölle, eine bange Nacht des Verrats erfaßte meinen Hohen

Und gab ihn preis der rohen Gottlosigkeit des Pöbels aller Stände! Wer kann den Qualkelch singen den du trankest, O Herr, und wie du trankest!

Das Kreuz war deiner Marter nur das Ende. Erhabner! dein gedenk' ich voller Demut Wie du gewünscht in menschlich schöner Wehmut. Du wardst, du wardst getauft mit jener Taufe

Die du voraussahst, wähltest und ersehntest. Und auch das Schwert, gewürgt hat's bis es trunken, Das wilde Schwert womit du uns belehntest. Wer sagt wie groß des Feuers Aschenhaufe

Das angezündet deine Himmelsfunken? Und Alle die gesunken Als Opfer ihres Glaubens, dir sich schenken Ja wollten sie, ihr Lieben war das deine.

Drum bei dem Altarweine Will ich auch dieses deines Bluts gedenken, Vor Allen dein, o Huß! du Reigenführer Der Zeugen deren Staub noch glimmt dem Spürer.

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