Daß Jegliches an seinem Darin besteht der Wenn in der Schöpfung Schooß die Rose pranget Sind Primel und Viole längst gewesen,
Und blühen herbstlich Astern im Vereine, Ist, traun! ein Thor wer Tulpen noch verlanget. Wenn so in Angeln hanget, Die unverrückbar sind, der Zeiten Kreislauf,
Wenn bei der glanzumhauchten Sommerhitze Mit allem eurem Witze Vergeblich ihr beriethet einen Eislauf, Warum doch soll des Geistes Flügelspreiten
Nicht auch erfolgen zu bestimmten Zeiten? Wer schafft von seinem Ort den Himalaya Und macht ihn gleich der kleinsten Hügelkette? Wer zieht in Grönland süße Rebenblüten?
Wer kann dem Palmbaum ändern seine Stätte Daß er nicht schatte mehr dem stolzen Raja? Kann auch das Nordland Straußeneier brüten? So mögt ihr nicht verhüten
Daß jedem Geist gemessen sei der Schauplatz. Doch ob von jedem Stein wir hätten Kunde Wo und zu welcher Stunde Er einst erschienen auf der Menschheit Bauplatz,
Ihr gönnt in Zeit und Raum dem keine Stelle Den laut zum Eckstein schlug des Bauherrn Kelle. Nach zeitmaßvollem Reigenschritt der Horen Erglühte jedes Aufschwungs Morgenröte
Stets wo und wann des Cynthiers Gespann kam. Ihr billigt wol daß Hegel und daß Göthe Gerade da und dann uns ward geboren? Doch daß das Wort, was uns als Gottesmann kam,
Gerade da und dann kam, Das Rätselwort darob die Völker schwitzen, Der Menschheit und Geschichte Wort, daß Stunden Und Räume das gebunden,
Ein rechtes Ziel däucht Solches euern Witzen. Indeß wo Ewiges auf Erden auftrat War es ein Mensch der in der Zeiten Lauf trat. Weil ihr in abgezogner Allgemeinheit
Das Ewige nur wähnet, ist ein Gräuel Die herrlichste Gestalt euch der Geschichte. Die Wahrheit seht ihr nur wie einen Knäuel. Versucht's und schaut des Nazareners Reinheit
Mit uns in seines Mittlerthumes Lichte Worin er treu und schlichte Fortlebt, fortstirbt und sühnt durch seine Söhne Bis daß er Alles einverleibt dem Einen,
Deß Minnen und deß Meinen Das seine war und ist als höchstes Schöne. Vielleicht erfaßt ihr doch in engsten Schranken Zuletzt noch reinster Reinheit Reingedanken.
Du aber, o mein Heiland, den im Leben Ein klares und prophetisches Bewußtsein Bei Wahl von Zeit und Ort allstets geleitet, Laß solch Verständniß auch in meiner Brust sein!
Nur wer durch angemessen weises Streben Sich wirkungsvoll in seine Welt verbreitet Und nicht im Nebel streitet, Nur der ja ist zur rechten Zeit geboren,
Nur der ist immer auch am rechten Orte Und wandelt durch die Pforte Des Daseins gleich erkürend wie erkoren.
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